Nachrichten | 13.11.2006

Gentechnik-Konzern Bayer:

Mehr Geld für Pharmawirkstoffe vom Acker

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer will seine Ausgaben für die Forschung an gentechnisch veränderten Pflanzen stark aufstocken. Bis 2015 sollen die jährlichen Investitionen von 80 Millionen auf mehr als 200 Millionen Euro steigen. "Saatgut und Kulturpflanzen, die über agronomisch optimierte Eigenschaften verfügen, sind ein Treiber der Zukunft im Agro-Geschäft", sagte Bayer-Chef Werner Wenning bei der Vorstellungen der 'Bayer Innovationsperspektive 2006'.

Einen Schwerpunkte der Forschung sieht Wenning darin, „maßgeschneiderte Pflanzen als „Bioreaktoren“ zur Herstellung von pharmazeutischen Wirkstoffen zu nutzen.“ Auch bei der Kommerzialisierung erneuerbarer Energiequellen werde die Pflanzen-Biotechnologie künftig stark an Bedeutung gewinnen. Um diese Potenziale zu nutzen, forderte Wenning eine zügigen Novellierung des geltenden Gentechnikgesetzes. Deutschland verfüge zwar über eine exzellente biotechnologische Grundlagenforschung. Die Forschungsergebnisse könnten aber nicht bis zur Marktreife weiterentwickelt werden, weil Freisetzungsversuche unter den gegenwärtigen gesetzlichen Regelungen ein unwägbares finanzielles Risiko für die Unternehmen darstellen, argumentierte der Bayer-Vorstand.

Darauf, dass Freisetzungsversuche von Bayer mit genmanipuliertem Reis bei US-Bauern und Lebensmittelhändlern Millionenschäden verursacht haben, ging der Konzernchef nicht ein. Die weitverbreitete Ablehnung von genmanipulierten Pflanzen führte er vielmehr darauf zurück, dass dem Verbraucher der Nutzen der Pflanzen-Biotechnologie in der Regel nicht klar sei. „Auf der anderen Seite scheinen weit verbreitete Fehlvorstellungen zu bestehen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung unterliegt immer noch dem Irrglauben, dass in einer „normalen“ Tomate keine Gene enthalten sind.“ Politik und Wirtschaft seien gleichermaßen gefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten.

Was Bayer sich darunter vorstellt, zeigte sich vor kurzem, als der Agrar-Konzern ohne rechtliche Handhabe die Internetseite des Greenpeace-Einkaufsnetzes sperren ließ. Der Grund waren Hunderte von Protestmails, die Aktivisten über diese Webseite an Bayer geschickt hatten. Nach Angaben von Greenpeace hatte Bayer den Provider der Einkaufsnetz-Seite vorgeworfen, Spam-Mails zu verschicken und ihn derart unter Druck gesetzt, dass der kleine mittelständische Familienbetrieb mit Sitz in Ostdeutschland daraufhin die Seite abschaltete. Erst nach Protesten der Umweltorganisation war die Seite einen Tag später wieder online.

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