Nachrichten | 20.11.2006

Einspruchsfrist läuft

Die EU will erste Gentech-Kartoffel zulassen

Der Chemiegigant BASF will im Frühjahr 2007 erstmals seine gentechnisch manipulierte Kartoffel "Amflora" kommerziell von Vertragsbauern in Sachsen-Anhalt und Brandenburg anpflanzen lassen. Die für den Anbau notwendige EU-Zulassung ist auf dem Weg. Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat der Gen-Knolle ihre Harmlosigkeit bescheinigt und lädt nun die Bevölkerung ein, Kommentare abzugeben. Frist für diese rechtlich unverbindlichen Einwendungen ist der 9.Dezember. Danach entscheidet der zuständige Ausschuss der EU.

Normale Kartoffeln enthalten zwei Sorten Stärke - Amylopektin und Amylose. Als Rohstoff für die Industrie taugt nur Amylopektin. Bei Amflora sind die Gene für die Amylose-Produktion abgeschaltet worden. Ihre Stärke besteht fast nur aus Amylopektin, deshalb soll sie auch ausschließlich an die Industrie als Rohstoff für Kleister oder die Papierherstellung vermarktet werden. Doch die Stärke wird für Industrie und Lebensmittelherstellern in den gleichen Anlagen gewonnen. Eiweiß und Fasern als Reststoffe aus der Stärkegewinnung als Tierfutter eingesetzt und gelangen so in die Nahrungsmittelkette. Zudem bleiben nach der Ernte auf einem Kartoffelacker rund 10.000 Knollen übrig, von denen einige die Winterfröste überleben und auskeimen. Auch so kann die Gen-Kartoffel in die Lebensmittelkette gelangen. "Wer Lebensmittelpflanzen gentechnisch verändert, der riskiert, die Nahrungskette zu verunreinigen, das gilt auch für Kartoffel", sagte Greenpeace-Gentechnikexperte Henning Strodthoff in der Welt. Die Stärke-Hersteller sehen das ähnlich. Die Frankfurter Rundschau schreibt, dass die Südstärke GmbH im bayerischen Schrobenhausen, die zehn Prozent des europäischen Stärkebedarfs abdeckt, Amflora ignorieren wird. „Wir arbeiten nah an den maßgeblichen Nahrungsmittelunternehmen, und die verlangen Gentechnik-freie Ware“, zitiert das Blatt Geschäftsführer Richard Lenk. Unilever oder Nestle würden fordern, dass die Stärke mit Gentechnik nicht in Berührung gekommen sein darf.

Auskreuzungen dagegen sind bei der Kartoffel kein so großes Risiko wie etwa beim Raps. Die Kartoffel hat keine wilden Verwandten in Europa und ihre Samen überleben in unseren Breiten kaum. "Die ungewollte Ausbreitung ist sehr unwahrscheinlich," zitiert die Frankfurter Rundschau die Gentechnik-Expertin des Bundesamtes für Naturschutz, Beatrix Tappeser. Gerade deshalb befürchten viele Genfood-Kritiker, dass Gentech-Kartoffeln als Türöffner für andere genmanipulierte Pflanzen dienen sollen. Derzeit sind vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 19 verschiedene Freisetzungsversuche mit Gentech-Kartoffeln in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern genehmigt.

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