Nachrichten | 27.11.2006

Gen-Weizen kommt

Seehofer genehmigt Anbauversuch / Umweltinstitut hält Beamte für befangen

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat die Freisetzung von gentechnisch manipuliertem Weizens in Gatersleben genehmigt. Das Leibniz-Institutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung darf dort in den nächsten beiden Jahren auf rund 1.200 Quadratmeter jeweils 11.200 Pflanzen freisetzen. Sie wurden so verändert, dass sie mehr Eiweiß produzieren. Außerdem sind sie resistent gegen Basta, ein Totalherbizid des Bayer-Konzerns. Sie enthalten auch Resistenzgene gegen die in der Medizin verwendeten Antibiotika Ampicillin und Streptomycin. Das Versuchsfeld liegt in unmittelbarer Nähe einer Genbank mit Hunderten alter Weizensorten, die zur Erhaltung im Freiland angebaut werden müssen und durch den Gen-Weizen verunreinigt werden können. 30.000 Einwendungen gegen die Zulassung waren beim BVL eingegangen.

Die Landwirtschaftsminister Horst Seehofer unterstehende Behörde hat deren Argumente nicht berücksichtigt. Das Amt schreibt, „dass von dem Freisetzungsversuchen keine schädlichen Einflüsse auf Menschen und Tiere sowie für die Umwelt zu erwarten sind.“ Die in der Genehmigung vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen seien vorsorglich. Dazu gehört ein Sicherheitsabstand von 120 Metern zu anderen Weizenfeldern und zu 500 Metern zu den Vermehrungsflächen der Genbank. Um zu verhindern, dass Nagetiere Gen-Weizenkörner in andere Felder verschleppen, soll es genügen, das Feld engmaschig einzuzäunen.

Das Umweltinstitut München, das dem BVL die 30.000 Einwendungen überreicht hatte, forderte die Ablösung des für die Entscheidung verantwortlichen Leiters der Abteilung Gentechnik im BVL, Hans-Jörg Bukh, und seines Stellvertreters, Detlef Bartsch. Das Institut wirft den beiden langjährige öffentliche Parteinahme für die Agro-Gentechnik und Befangenheit vor. So traten die Spitzenbeamten in einem PR-Film der Gentechnikindustrie auf, der unter anderem von den Konzernen Monsanto und Syngenta finanziert wurde. Harald Nestler, Vorstand beim Umweltinstitut München, kritisiert: "Die Behörde soll Gen-Pflanzen nicht hofieren, sondern regulieren. Doch mit solchen Beamten sind keine abwägenden Entscheidungen bei einem so heiklen Thema wie der Freisetzung genmanipulierter Pflanzen zu erwarten."

Thomas Dosch, Präsident des Anbauverbandes Bioland nannte die Genehmigung einen Skandal. „Hier vergreifen sich Politik und Wissenschaft durch Genmanipulation von Weizen an unser aller ‚täglich Brot’. Niemand braucht Gen-Weizen, weder in Deutschland noch weltweit.“ Selbst in den USA sei die Kommerzialisierung von Gen-Weizen am Widerstand der Bauern und der Lebensmittelwirtschaft gescheitert.

„Die Entscheidung für den Genweizen-Anbau ist eine klare Absage an Risikovorsorge und Verbraucherschutz. Hier werden Steuergelder für ein unsinniges Projekt zum Fenster herausgeworfen“, kritisierte Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland, NABU.

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