Nachrichten | 11.12.2006

Auch ohne Monsanto

Maiszünsler macht sich langsam vom Acker

Der genmanipulierte Bt-Mais von Monsanto soll gegen den Maiszünsler helfen, der sich angeblich immer stärker in Deutschland ausbreitet. Doch von der Bundesregierung vorgelegte Zahlen belegen, dass die deutschen Maisfelder heute weniger stark vom Maiszünsler befallen sind als noch zur Jahrtausendwende.

Der Maiszünsler ist ein unscheinbarer grau-brauner Schmetterling. Die Falter fliegen ab Mitte Juni in die noch jungen Maisbestände. Die Weibchen legen an der Unterseite der Maisblätter ihre Eier ab. Eine Woche später schlüpfen die Raupen, die sich in die Stängel der Maispflanzen bohren und nach unten fressen. Noch vor der Ernte knicken befallene Pflanzen ab. Der Maiszünsler kann so bis zu 30 Prozent einer Maisernte vernichten.

In den Jahren 1999 und 2000 waren von 1,55 Millionen Hektar Maisanbaufläche 387.000 vom Maiszünsler befallen, genau ein Viertel. Im Jahr 2005 betrug die Anbaufläche 1,7 Millionen Hektar. Der schädliche Falter hatte sich auf 373.000 Hektar breitgemacht, das entspricht 22 Prozent. Diese Zahlen nannte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine schriftliche Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke. Sie zeigen, dass die Belastung durch den Maiszünsler abgenommen hat, auch ohne den Bt-Mais von Monsanto, der 2005 auf rund 1000 Hektar angebaut worden war. Den von dem Insekt angerichteten Schaden gibt die Bundesregierung mit elf bis zwölf Millionen Euro im Jahr an. Die Initiative Save our Seeds kommentiert das so: „Zum Vergleich: Wildschäden kosten in Deutschland 50 Millionen, der Umsatz mit Mais bewegt sich bei einer halben Milliarde, allein die Ausgaben zur Akzeptanzförderung der Gentechnik dürften sich ebenfalls um die 10 Millionen Euro per anno bewegen, von der Forschung ganz zu schweigen.“

Am stärksten war der Befall 2005 nicht im Osten Deutschlands, wo Monsanto besonders für seinen Gen-Mais wirbt, sondern in Bayern und Baden-Württemberg mit 180.000 und 60.000 Hektar. Dass die Mais-Bauern dort auch ohne Monsantos Hilfe immer noch leben, erklärt die Bundesregierung so: „In Teilen Süddeutschlands ist der Maiszünsler seit über 70 Jahren als Maisschädling bekannt. Die Landwirte sind seit langem mit ihm und den oben genannten Bekämpfungsverfahren vertraut.“ Als wichtigstes Verfahren nennt die Bundesregierung das Zerkleinern und Unterpflügen der Pflanzenreste auf dem Acker. Mit Pestiziden lässt sich der Falter nur schlecht bekämpfen. Nur auf einem Zehntel der befallenen Fläche setzten die Landwirte 2002 den dafür zugelassenen Wirkstoff Indoxacarb ein. Dies belegt, dass durch den Anbau von Bt-Mais nicht besonders viel Pestizide eingespart werden. Zunehmend setzen die Bauern Schlupfwespen zur Bekämpfung ein, dien natürlichen Feinde der Raupen.

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