Nachrichten | 18.12.2006

Geheimer Gen-Rapsanbau

Behörden geben Standorte nur zögerlich bekannt

In den Jahren vor 2005 ist in Deutschland an mindestens 15 Orten Gen-Raps angebaut worden. Dies meldete die Frankfurter Rundschau und bezog sich dabei auf Angaben des Bundessortenamtes. Die Behörde geht davon aus, dass es noch mehr geheime Anbauversuche gab.

Bereits vor einigen Monaten war bekannt geworden, dass in mehreren Bundesländern jahrelang geheim Gen-Mais angebaut worden war, ohne dass Nachbarn, Standortgemeinden oder Behörden davon wussten. Denn erst seit 2005 müssen Gentechnikfelder in einem Standortregister öffentlich angemeldet werden. Bis dahin jedoch unternahmen Saatgutkonzerne und willige Bauern in Absprache mit dem Bundessortenamt so genannte Freiland-Wertprüfungen. Ausgesät wurden dabei Gen-Saaten, die bereits vor 1998 für den Anbau in der EU zugelassen waren. Das war vor allem Gen-Mais, aber auch eine Gen-Rapssorte.

Im November 2006 hatte die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen erstmals zugegeben, dass 1999 an zwei Standorten gentechnisch veränderter Raps für Wertprüfungen angebaut worden war. Der Bioland-Verband forderte darauf das Bundessortenamt auf, die Standorte aller Sortenprüfungen vor dem Jahr 2005 flurstücksgenau offenzulegen. Das ist bisher nicht passiert. Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau nannte die Behörde 15 Orte in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Bayern und Hessen. Es sei aber auch an anderen Orten Gen-Raps im Rahmen der Sortenzulassung angesät worden, teilte das Amt mit. Dabei seien abschirmende Mantelsaaten ausgesät und Mindestabstände zu benachbarten Rapsfeldern eingehalten worden.

Doch solche Vorkehrungen nutzen bei Raps wenig. Rapspollen können mit dem Wind und durch Insekten kilometerweit verbreitet werden und das Erbgut an zahlreiche wildlebende Verwandte weitergeben. Die kleinen Samen können noch nach mehreren Jahre im Boden neu auskeimen. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer hat deshalb Raps als nicht koexistenzfähig bezeichnet. Dennoch hat der Minister für die Einfuhr keimfähiger Gen-Rapssamen in die EU gestimmt. Das ihm unterstehende Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat im letzten Jahr den Versuchsanbau von Gen-Raps genehmigt und bis heute wartet Bioland darauf, dass der Minister das ihm unterstehende Bundessortenamt anweist, alle geheimen Genraps-Standorte der letzten Jahre zu veröffentlichen.

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