Nachrichten | 18.12.2006

1.500 Dollar täglich

Gentechnik-Konzern Monsanto bezahlte berühmten Wissenschaftler

Der bekannte britische Epidemiologe Richard Doll stand 20 Jahre lang beim Gentechnik- und Chemiekonzern Monsanto auf der Gehaltsliste. Er bezog bis zu 1.500 Dollar täglich – und redete dafür die Gesundheitsgefahren von Chemikalien klein. Ein Jahr nach seinem Tod fanden britische Journalisten in seinem Nachlass Belege für die heimlichen Zahlungen.

Sir Richard Doll erregte bereits 1951 Aufsehen, als er als Erster in einer bahnbrechenden Arbeit nachwies, das Rauchen Lungenkrebs verursacht. In der Folgezeit wurde der Medizinprofessor aus Oxford zu einem der weltweit anerkanntesten Experten in Sachen Chemie und Gesundheit. Im Gegensatz zu zahlreichen Umweltmedizinern sah er die Ursache für die zunehmenden Krebserkrankungen im modernen Lebensstil und nicht in der zunehmenden Vielfalt an Chemikalien im Alltag.

1985 schrieb Doll für einen australischen Untersuchungsausschuss eine Stellungnahme zu dem Herbizid Agent Orange. Der von Monsanto hergestellte Giftstoff war von den USA im Vietnamkrieg in großen Mengen als „Entlaubungsmittel“ eingesetzt worden und hatte – auch aufgrund seiner Verunreinigung mit Dioxinen -schwere Schäden verursacht. Erkrankte Kriegsveteranen hatten ihre Regierungen deshalb auf Schadenersatz verklagt. Doll schrieb dem Ausschuss, es gäbe keinen Grund anzunehmen, dass die Herbizide im Tierversuch krebserregend seien. Auch Dioxin habe sich in Tierversuchen höchstens als schwaches Karzinogen erwiesen. Kollegen, die das anders sahen, warf er mangelnde Wissenschaftlichkeit vor. Der Ausschuss glaubte ihm.

Damals stand Sir Richard Doll bereits sechs Jahre lang auf der Gehaltliste des Chemiekonzerns Monsanto. Journalisten der britischen Zeitung The Guardian veröffentlichten ein Schreiben von 1986, in dem Monsanto den Beratervertrag mit Doll um ein weiteres Jahr verlängerte. Als Gehalt wurden darin 1.500 US-Dollar täglich festgelegt. Monsanto bestätigte, dass der Mediziner bis zum Jahr 2000, da war er 88 Jahre alt, für den Konzern gearbeitet hatte.

The Guardian enthüllte ebenfalls, dass Doll für eine Studie über Vinylchlorid, den Grundstoff für PVC, 15.000 britische Pfund von einschlägigen Herstellern erhielt. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass Vinylchlorid nur Leberkrebs (was bereits bekannt war), jedoch keine anderen Tumorerkrankungen verursachen könne. Mit Hilfe dieser Studie konnten Monsanto und andere Hersteller Schadensersatzklagen von erkrankten Chemiearbeitern abwehren. Auch die US-Umweltbehörde EPA übernahm diesen von den Herstellern bezahlten Standpunkt.

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