Nachrichten | 29.1.2007

Gen-Anbauflächen angeblich gestiegen

Lobby-Organisation legt Zahlen für 2006 vor / Qualität der Daten umstritten

Im Jahr 2006 haben gut zehn Millionen Landwirte weltweit auf 102 Millionen Hektar (Mio. ha)Fläche gentechnisch manipulierte Pflanzen angebaut. Gegenüber 2005 sei das ein Anstieg von 13 Prozent gewesen, meldete die Agrobiotechnologie-Agentur ISAAA. Finanziert wird die ISAAA von den großen Gentechnik-Konzernen, mit denen die Agentur auch personell verbunden ist.

Nach Angaben der ISAAA war Soja mit 58,6 Mio. ha die wichtigste Gen-Pflanze, gefolgt von Mais mit 25,2 Mio. ha, Baumwolle mit 13,4 Mio. ha und Raps mit 4,8 Mio. ha. Angebaut wurden diese vier und wenige andere Gen-Pflanzen in 22 Ländern. Die wichtigsten sind die USA (54,6 Mio. ha), Argentinien (18 Mio. ha), Brasilien (11,5 Mio ha, )Kanada (6,1 Mio. ha), Indien (3,8 Mio. ha) und China (3,5 Mio. ha). Auf diese sechs Länder entfallen 96 Prozent der Gen-Anbaufläche. Weitere Länder mit relevanten Flächen sind Paraguay, Südafrika, Urugay und die Philippinen. In Europa wurde in Rumänien auf 100.000 ha Gen-Soja angebaut und in Spanien auf 100.000 ha Gen-Mais. Den Soja-Anbau muss Rumänien aufgrund seines EU-Beitritt in 2007 einstellen. Gen-Sojabohnen sind in der EU für den Anbau nicht zugelassen.

Die US-amerikanische Initiative GM-Watch bezeichnet die jährlich vorgelegten ISAAA-Zahlen als „Seifenblase“. Die Gentechnik-Lobby-Agentur sei bisher nicht bereit gewesen, die Quellen ihrer Zahlen offen zu legen, schreibt Claire Robinson von GM-Watch. Die Agentur würde nur vage auf „eine solide Datengrundlage aus einer großen Zahl an Quellen, darunter Regierungsbehörden und andere Organisationen des öffentlichen und privaten Sektors“ verweisen. Bob Phelps, Direktor der australischen Umweltorganisation Gene Ethics kritisiert: „Die ISAAA veröffentlicht unbewiesene Behauptungen, bläst ihre Zahlen auf und ignoriert die negativen Auswirkungen von Gen-Pflanzen.“

So weist ISAAA stolz darauf hin, dass „mehr als 90 Prozent, bzw. 9,3 Millionen Landwirte, die im letzten Jahr gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut haben, kleine, ressourcenschwache Landwirtschaftsbetriebe in Entwicklungsländern bewirtschafteten. So konnte die Biotechnologie einen kleinen Beitrag dazu leisten, ihre Armut zu mindern.“ Als Beleg wird noch eine indische Bauersfrau zitiert. Tatsächlich hat sich gerade in Indien genmanipulierte Baumwolle für die Bauern als Reinfall entpuppt. Zahlreiche Studien haben die Ernteeinbrüche belegt. Tausende Bauern haben sich umgebracht, weil die Gen-Baumwolle sie in eine Schuldenfalle trieb, aus der sie keinen Ausweg mehr sahen. Bob Phelps kommentiert das drastisch: „Gerade mal 600.000 Farmer bauen 85 Prozent aller Genpflanzen auf industrialisierten Betrieben in Nord- und Südamerika an. Die Kleinbauern aus Entwicklungsländern werden von der ISAAA als Kanonenfutter für ihren PR-Feldzug missbraucht.“

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