Nachrichten | 19.2.2007

Forderung an das Europaparlament

Kein Gentechnik-Grenzwert für Öko-Lebensmittel / Deutsche Bio-Branche sieht das anders

Zahlreiche Bio- und Umweltorganisationen haben die EU aufgefordert, in der neuen Öko-Verordnung keinen Schwellenwert für Gentechnik-Verunreinigungen festzulegen. „Die neue EU-Verordnung muss das Recht der Farmer und Verbraucher schützen, ökologische Lebens- und Futtermittel anzubauen und zu verzehren, die komplett frei sind von gentechnisch veränderten Organismen.“ So lautete der Kernsatz eines Manifests, dass die Organisationen auf der Öko-Lebensmittelmesse BioFach in Nürnberg vorgestellt haben. Zu den Unterzeichnern gehören das Netzwerk der gentechnikfreien Regionen ebenso wie die Umweltorganisationen Friends of Earth und Greenpeace. Sie fordern das Europäische Parlament auf, in seiner Ende März anstehenden Stellungnahme zur neuen EU-Öko-Verordnung den vorgesehenen Schwellenwert abzulehnen. Die EU solle ein klares und in sich schlüssiges gesetzliches Regelwerk für den Öko-Landbau vorlegen und dabei den absoluten Ausschluss von gentechnisch veränderten Organismen und entsprechenden Verunreinigungen sicherstellen.

Im Dezember 2006 hatten sich die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten auf eine Neufassung der EU-Öko-Verordnung geeinigt. In ihr ist ausdrücklich erwähnt, dass für Öko-Lebensmittel das Gleiche gilt wie für gentechnikfreie konventionelle Lebensmittel: Unbeabsichtigte Verunreinigungen bis zu 0,9 Prozent müssen nicht gekennzeichnet werden. Dies galt auch bisher schon, nur stand es nicht eigens in der Öko-Verordnung.

Auch deutsche Bio-Bauern und Verarbeiter haben den Anspruch, dass solche Verunreinigungen erst gar nicht vorkommen. Dennoch hat die deutsche Bio-Branche - im Gegensatz zu den Unterzeichner des Manifests - die Klarstellung in der EU-Öko-Verordnung begrüßt: „Von der Gefahr, dass Produkte durch das Verschulden von GVO-Anbauern kontaminiert werden, sind konventionelle und ökologisch wirtschaftende Bauern gleichermaßen betroffen", argumentierte Felix Prinz zu Löwenstein, der Vorstandsvorsitzende des Bundes für ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Deshalb sei es konsequent, für alle ohne Gentechnik arbeitenden Betriebe die gleichen Kennzeichnungs-Grenzwerte vorzusehen. In einer Mitteilung des BNN Herstellung und Handel sagte Geschäftsführerin Elke Röder: „Im Ökolandbau kommt Gentechnik genauso wenig zum Einsatz wie Pestizide. Wenn dennoch Verunreinigungen auftreten, müssen die Verursacher zur Verantwortung gezogen, nicht aber die Bio-Landwirte oder Bio-Verarbeiter bestraft werden.“

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