Nachrichten | 5.3.2007

Gen-Kartoffel vor dem Aus?

EU-Behörde hat das Risiko einer Antibiotikaresistenz unterschätzt

In diesem Frühjahr wollte der Chemiekonzern BASF erstmals seine gentechnisch manipulierte Stärkekartoffel Amflora von Brandenburger Bauern kommerziell anbauen lassen. Die noch ausstehende Genehmigung durch die EU-Kommission schien nur noch eine Formsache zu sein. Doch jetzt hat die Kommission einen Rückzieher gemacht.

Der Grund dafür ist, dass Amflora mit einem Resistenz-Gen gegen Aminoglykosid-Antibiotika ausgestattet ist. Dieses so genante Marker-Gen dient dazu, die Zellen zu identifizieren, bei denen die Erbgutmanipulation funktioniert hat. Dabei besteht die Gefahr, dass die Antibiotikaresistenzen später beim Freilandanbau auf Mikroorganismen im Boden oder beim Verfüttern auf Darmbakterien übergehen und diese resistent machen.

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hatte in ihrem Bericht argumentiert, dass die Bedeutung der Aminoglykoside in der Human- und Veterinärmedizin gering sei und eine Anbauzulassung für Amflora befürwortet. Eine aktuelle Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kam dagegen zu dem Schluss, dass diese Antibiotika-Gruppe in der Tiermedizin stärker verbreitet sei, als die EFSA in ihrer Risikobewertung angenommen hatte. Daraufhin hat die Kommission die Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) in London gebeten, sie solle die Bedeutung einschätzen, die Aminoglykoside als Antibiotika für Mensch und Tier haben.

Sollte die EMEA die Einstellung der Weltgesundheitsorganisation bestätigen, muss die EFSA ihre Risikobewertung überarbeiten.  Dies könnte das Aus für die Gen-Knolle bedeuten. Denn die EU-Freisetzungsrichtlinie verbietet es, gentechnisch veränderte Organismen in Verkehr zu bringen, deren Antibiotikaresistenz-Gene schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelt haben können.

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