Nachrichten | 12.3.2007

Menschliches Eiweiß vom Acker

US-Behörde lässt erstmals den kommerziellen Anbau von Pharma-Reis zu

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) hat eine genmanipulierte Reissorte der Firma Ventria Bioscience für den Anbau im US-Staat Kansas vorläufigzugelassen. Ventria hat den Reis so verändert, dass die Pflanzen die zwei menschlichen Eiweißstoffe Lactoferrin und Lysozym herstellen. Diese Proteine kommen in der Muttermilch vor und wirken gegen Viren, Bakterien und Pilze. Sie sollen zu Medikamenten verarbeitet werden, um damit Magen-Darm-Erkrankungen und tropische Infektionen zu behandeln.

Mit seinen Plänen war Ventria bereits in den US-Staaten Kalifornien und Missouri am heftigen Widerstand der Reisbauern gescheitert. In Missouri hatte Anheuser-Busch, der größte Brauereikonzern der USA, damit gedroht, keinen Reis mehr aus dem US-Staat einzukaufen, wen dort Pharma-Reis angebaut würde. In Kansas sind solche Drohungen nicht zu fürchten, denn dort gibt es bisher keinen nennenswerten Reisanbau.

Auf vorerst 180 Hektar will Ventria dort den Reis anbauen und nur auf dafür vorgesehenen Maschinen verarbeiten. Später soll der Anbau auf bis zu 1300 Hektar ausgedehnt werden. Die aus dem Reis gewonnene Eiweißstoffe müssen allerdings noch von der Arzneimittelbehörde FDA zugelassen werden, bevor sie auf den Markt kommen dürfen. Dies gilt auch für das im Blut vorkommende Eiweiß Albumin, dass Ventria ebenfalls mit Hilfe von Reis herstellen möchte.

Bisher gab es auch in den USA nur kleine Versuchsfelder für genmanipulierte Pharma-Pflanzen. Verbraucherschutzorganisationen kritisierten die erste Zulassung für einen großflächigen Anbau. Sie fürchten eine unkontrollierbare Verunreinigung der Lebensmittelkette und verweisen darauf, dass schon bisher die Biotech-Industrie nicht in der Lage war, Reis vor gentechnischen Verunreinigungen wirkungsvoll zu schützen.
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