Nachrichten | 18.3.2007

Bundesbehörde widerspricht sich selbst

Auskreuzungen beim Gen-Weizenanbau sind möglich / Pflanzen-Genbank soll umziehen

Die Genbank für Kulturpflanzen im sachsen-anhaltischen Gatersleben soll ihre Vermehrungsflächen verlegen. Der direkt daneben genehmigte Versuchsanbau von Gen-Weizen gefährdet die alten Sorten. Die Gefahr von Auskreuzungen sei nicht vollständig auszuschließen, sagte Jochen Heimberg ,der Sprecher des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), der Nachrichtenagentur AP. In der Genbank lagern Samen von rund 100.000 Kulturpflanzen, die regelmäßig angebaut und vermehrt werden müssen.

Das BVL selbst hatte den Anbau des Gen-Weizens im November 2006 genehmigt. 30.000 Einwendungen gingen damals bei der Behörde ein, die in dem Gen-Anbau eine Gefahr für die alten Weizensorten der Genbank sahen. Das BVL schmetterte die Einwendungen ab und schrieb in ihrer Sicherheitsbewertung, dass von dem Versuch auf einer Fläche von 1.200 Quadratmetern „keine schädlichen Einflüsse auf Menschen und Tiere sowie für die Umwelt zu erwarten sind.“

Die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) berichtete nun, dass der offiziellen Genehmigung ein „geheimer Begleitbrief“ angehängt worden sei. Darin habe der Abteilungsleiter Gentechnik beim BVL, Hans-Jörg Buhk, eine Verlagerung der Felder gefordert, auf denen die Kulturpflanzen vermehrt werden. Diese lägen zu nah am Versuchsfeld mit dem gentechnisch veränderten Weizen. Der Adressat des Schreibens war laut MZ Ulrich Wobus, der Direktor des Leibniz-Institutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK). Es betreibt die Genbank, hat aber auch den Gen-Weizenanbau beantragt.

Gegenüber der Nachrichtenagentur AP sagte BVL-Sprecher Heimberg, das Bundesamt halte „die Freisetzung am Standort einer Genbank grundsätzlich für wenig geeignet.“ Die Wahrscheinlichkeit von Auskreuzungen sei bei manchen Pflanzenarten nicht vollständig auszuschließen. Dies habe man auch dem IPK dargelegt, dass aber auf dem Gen-Pflanzenanbau beharrt habe. Da keine rechtlichen Vorbehalte gegen eine Genehmigung der Freisetzung bestanden, habe das BVL sie genehmigt.

Gentechnik-Experte Andreas Bauer vom Umweltinstitut München hält die Argumentation für einen Witz. „Wenn die Bundesanstalt unsere Ansicht teilt, dass der Weizenversuch die Genbank gefährdet, hätten sie ihn nicht genehmigen dürfen,", sagte er der MZ. „Schließlich handelt es sich bei der Genbank nicht um ein Privatvergnügen des IPK, sie dient einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe.“ Das Umweltinstitut koordiniert den Widerstand gegen die Anbauversuche in Gatersleben. Es hatte am 12. März dem BVL 75.000 Einwendungen gegen den nächsten vom IPK beantragten Anbauversuch überreicht. Diesmal will das IPK neben den Vermehrungsflächen der Genbank genmanipulierte Erbsen anbauen. In den kommenden Wochen muss das BVL über den Antrag entscheiden. Das IPK hat mitgeteilt, dass eine Verlagerung der Genbank und der Versuchsfelder nicht geplant sei.

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