Nachrichten | 29.3.2007

Bienensterben in den USA

Ist die Gentechnik schuld?

70 Prozent der Bienenvölker in den USA sind verschwunden. Die Bienen haben ihre Stöcke verlassen und sind nicht mehr zurückgekehrt. Colony Collapse Disorder (CCD) nennen die Wissenschaftler das mysteriöse Phänomen und suchen nach den Ursachen. Genmanipulierter Mais könnte eine davon sein, doch er wird ausgeklammert.

Seit November 2006 häufen sich die Meldungen von US-Imkern über verschwundene Bienenvölker. Die Schätzungen gehen inzwischen davon aus, dass 60 Prozent der Bestände an der Westküste und über 70 Prozent an der Ostküste tot sind. Doch waren nicht wie sonst bei Überwinterungssschäden die toten Bienen noch im Stock, sie waren zum Sterben ausgeflogen. Die wenigen verbliebenen Bienen waren von allen möglichen Viren und Parasiten gleichzeitig befallen, was nach Ansicht der Imker darauf hinweist, dass das Immunsystem der Tiere zusammengebrochen ist.

Ein möglicher Grund dafür könnte der hohe Anteil an genmanipuliertem Bt-Mais in den USA sein. Die Bienen lagern den Maispollen als Winterfutter ein. Offiziell gelten die Pollen mit ihren Konzentrationen des Bt-Toxins als harmlos für Bienen. Als Beleg dient ein Forschungsprojekt der Universität Jena aus den Jahren 2001 bis 2004. Darin untersuchten Wissenschaftler, wie die Pollen von Bt-Mais auf Bienen wirken. „Generell konnte eine chronisch toxische Wirkung von Bt-Mais der Sorten Bt176 und Mon810 auf gesunde Honigbienenvölker nicht nachgewiesen werden,“ lautete das Fazit. Doch bei einem Freilandversuch im Rahmen des Projektes wurden die Bienenvölker zufällig mit Parasiten (Mikrosporidien) befallen. „Dieser Befall führte bei den Bt-gefütterten Völkern ebenso wie bei den Völkern, die mit Pollen ohne Bt-Toxin gefüttert wurden, zu einer Abnahme der Zahl an Bienen und in deren Folge zu einer verringerten Brutaufzucht. Dieser Effekt war bei den Bt-gefütterten Völkern signifikant stärker.“ Als Begründung heißt es in dem Bericht: „Die signifikanten Unterschiede sprechen für eine Wechselwirkung von Toxin und Pathogen auf die Epithelzellen des Darms der Honigbiene. Der zugrunde liegende Wirkungsmechanismus ist unbekannt.“ Das heißt, das Bt-Gift im Maispollen hat den Darm der Bienen so verändert, dass sie anfälliger für Parasiten wurden.

Amerikanische Wissenschaftler haben sich in einer „CCD working groupzusammengeschlossen, um die Ursachen des Bienensterbens zu erforschen. Gen-Mais ist für sie dabei kein Thema. Zwar könne die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden, schreiben die Bienenforscher auf ihrer Homepage, „doch die CCD Symptome entsprechen nicht dem, was man von Bt-geschädigten Organismen erwarten würde“. Deshalb hätten genmanipulierte Pflanzen bei der Ursachensuche keine Priorität.

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