Nachrichten | 9.4.2007

Gen-Raps

EU erlaubt die Einfuhr / Ausbreitung droht

Die EU-Kommission hat am 26. März die Einfuhr und Verwendung von drei genmanipulierten Rapssorten als Tierfutter genehmigt. Die Ölrapssorten Ms8, Rf3 und Ms8xRf3 des Bayer-Konzerns dürfen allerdings nicht in der EU angebaut oder als Lebensmittel verwendet werden. Kritiker befürchten, dass das keimfähige Saatgut bei Transport und Verarbeitung abhanden kommen und sich ausbreiten kann.

Bisher durfte Gen-Raps, etwa aus Kanada oder den USA, nur in verarbeiteter Form als Öl oder Futtermittel in die EU importiert werden. Die Bayer AG hatte beantragt, ihren Gen-Raps auch in Form von Rapssamen einführen zu dürfen. Die Samen sollen dann in Ölmühlen in der EU verarbeitet werden. Da die eingeführten Samen keimfähig sind, können sie auskeimen, sobald sie beim Transport verloren gehen und dabei auf fruchtbaren Boden fallen.

Dass solche Befürchtungen schnell Realität werden können, zeigen Beispiele aus Japan. Der Inselstaat importiert jährlich rund zwei Millionen Tonnen Rapssamen, darunter auch Gen-Raps. Untersuchungen in der Nähe vielbefahrener Straßen rund um die Anlandehäfen zeigten, dass sich dort importierter Raps ausbreitet. Die Samen gelangten vermutlich beim Verladen oder beim Transport in die freie Natur.

Der grüne EU-Abgeordnete Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf wies auf eine weitere Gefahr hin: Die kleinen Rapskörner lassen sich kaum aus den Ritzen und Nischen von Lagern und Verarbeitungsmaschinen entfernen. Der Gen-Raps sei deshalb nicht sauber von gentechnikfreier Ware zu trennen.

Im EU-Agrarministerrat hatten im Herbst 2006 14 der 25 Mitgliedstaaten gegen die Einfuhr der Gen-Rapssamen gestimmt. Da zur Ablehnung aber eine zwei Drittel-Mehrheit erforderlich gewesen wäre, konnte die EU-Kommission die Einfuhr jetzt dennoch erlauben. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer hatte damals für die Einfuhr von Gen-Raps gestimmt und wurde deshalb von Bio- und Umweltverbänden hart kritisiert.

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