Nachrichten | 9.4.2007

Geheimer Gen-Anbau

Bundesregierung gibt Standortgemeinden bekannt

In den Jahren vor 2005 bauten Landwirte in mehreren Gemeinden Deutschlands genmanipulierten Raps, Zuckerrüben und Mais an. Weder die Nachbarn noch die Kommunen erfuhren von diesem Anbau im Rahmen so genannter Freiland-Wertprüfungen. Auf eine Anfrage der Bundestagsgrünen hin teilte die Bundesregierung nun die Standortgemeinden von über 100 Anbauversuchen aus den Jahren 1998 bis 2001 mit. Genaue Flurstücksnummern nannte sie jedoch nicht. Erst seit 2005 muss jeder Anbau genmanipulierter Pflanzen im Freiland im amtlichen Standortregister gemeldet werden.

Bereits im Herbst 2006 hatte der Anbauverband Bioland erstmals öffentlich gemacht, dass Landwirte jahrelang ohne Kenntnis von Nachbarn und Behörden Gen-Mais angebaut hatten. Damals war bekannt geworden, dass es ähnliche Anbauversuche auch für Raps gegeben hatte. In einer Antwort eine Frage der Abgeordneten Ulrike Höfken (Grüne) hat das Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nach monatelangem Zögern die Wertprüfungs-Standorte für Gen-Raps und Gen-Zuckerrüben genannt. Die Daten zeigen nach Ansicht von Bioland „ein erschreckendes Ausmaß der damaligen Sortenprüfungen mit Gentech-Pflanzen. So wurden von 1997 bis 2001 bundesweit Wertprüfungen mit insgesamt neun gentechnisch veränderten Rapskonstrukten an bis zu 20 Standorten durchgeführt. Zudem hatte das Bundessortenamt in den Jahren 1998 bis 2000 vier Gen-Zuckerrüben-Konstrukte in der Wertprüfung.“

Bioland forderte Landwirte, die Flächen in den betroffenen Orten bewirtschaften, auf, als direkt Betroffene beim Bundessortenamt die immer noch ausstehenden Flurstücksnummern zu erfragen. Von den Überwachungsbehörden der Bundesländer würde Bioland gerne wissen, welche Sicherheitsmaßnahmen damals galten. Das Bundessortenamt hat bisher nur allgemein mitgeteilt, dass abschirmende Mantelsaaten ausgesät und Mindestabstände zu benachbarten Rapsfeldern eingehalten worden seien.
Doch solche Vorkehrungen nutzen bei Raps wenig. Rapspollen können mit dem Wind und durch Insekten kilometerweit verbreitet werden und das Erbgut an zahlreiche wildlebende Verwandte weitergeben. Die kleinen Samen können noch nach mehreren Jahre im Boden neu auskeimen. „Hier lauern eventuell Gefahren bis heute“, befürchtet Bioland.

Die Liste der geheimen Anbau-Versuche von Gen-Mais
Die Liste der geheimen Anbau-Versuche von Gen-Raps
Die Liste der geheimen Anbau-Versuche von Gen-Zuckerrüben

Musterbriefe an die Behörden

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