Nachrichten | 17.4.2007

Gentechnik in Indien

Der Widerstand feiert Erfolge

Mit seiner riesigen Landwirtschaft ist Indien eines der interessantesten Länder für die Gentechnik-Konzerne. Der Anbau von Gentech-Baumwolle nahm jahrelang zu. Firmen und Wissenschaftler testeten in großem Umfang und meist im Geheimen genmanipuliertes Gemüse. Doch inzwischen bläst den Gentechnik-Befürwortern ein Sturm des Widerstands ins Gesicht.

Vor allem zwei Ereignisse haben die jahrelange Aufklärungsarbeit der vielen indischen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen in letzter Zeit vorangebracht. Die Gentech-Baumwolle hat sich für Millionen von Bauern als ruinöses Abenteuer erwiesen und Tausende wegen Überschuldung in den Selbstmordgetrieben. Das machte mächtige Kleinbauernorganisationen zu Gentechnik-Kritikern. Der Genreis-Skandal im letzten Jahr brachte die gesamte indische Reisbranche dazu, gentechnische Experimente mit diesem Grundnahrungsmittel abzulehnen und auf gentechnikfreien Reis zu setzen. Seither häufen sich die Erfolgsmeldungen der indischen Gentechnik-Kritiker. Einige Beispiel aus diesem Jahr:

  • Das für die Genehmigung von Anbauversuchen zuständige Department of Biotechnology muss die Daten und Ergebnisse aller Feldversuche offen legen. Bisher hatte sich die Behörde geweigert und auf Geschäftsgeheimnisse der beteiligten Firmen verwiesen. Doch die für das indische Gesetz über Informationsfreiheit zuständige Regierungskommission verurteilte auf Antrag von Greenpeace Indien die Gentech-Behörde dazu, binnen zehn Werktagen ihre Unterlegen öffentlich zu machen.
  • Über 6,5 Millionen Bauern aus allen Bundesstaaten Indiens wollen sich einer öffentlichen Klage gegen die offizielle gentechnikfreundliche indische Regierungspolitik anschließen, die derzeit vor dem Obersten indischen Gerichtshof anhängig ist. Initiiert hat diesen Massenprotest der größte indische Kleinbauernverband Bharat Krishak Samaj. Er steht der regierenden Kongresspartei nahe. Vor dem Gerichtshof ist auch eine Klage der Reis-Industrie anhängig, die ein Gentechnik-Moratorium fordert. Der Gerichtshof hat bereits angeordnet, dass keine neuen Anbauversuche erlaubt werden dürfen, bis er seine Entscheidung getroffen hat.
  • Eine von der indischen Regierung eingesetzte Planungskommission hat die für Gentechnik-Zulassungen zuständigen Bundesbehörden massiv kritisiert. Sie würden laufend die gesetzlichen Bestimmungen missachten und seien eine Gefahr für die Umwelt des Landes und die Gesundheit seiner Bewohner, heißt es in einem amtliche Bericht der Kommission. Sie empfiehlt der Regierung ein Moratorium für den kommerziellen Anbau von Gen-Pflanzen zu erlassen und die weitere Zulassung manipulierter Pflanzen vorerst zu stoppen. Zuerst müsse auf allen Verwaltungsebenen eine ordentlich arbeitende Kontrollbehörde installiert werden.
  • Tausende indischer Dörfer haben sich inzwischen zu gentechnikfreien Zonen erklärt. Im Bundesstaat Andhra Pradesh warnten die staatlichen Behörden die Bauern davor, Gentech-Baumwolle anzubauen. Im Nachbarstaat Tamil Nadu haben die Behörden dem Unternehmen Mahyco Monsanto den Verkauf seines Gentech-Baumwollsaatgutes verboten.

Weitere Informationen über den Genfood-Widerstand weltweit bieten die deutschsprachigen Nachrichten von www.gmwatch.org

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