Nachrichten | 17.4.2007

Gen-Pharming

Distel soll Insulin produzieren

Eine kanadische Firma will mit Hilfe genmanipulierter Disteln Insulin für Diabetiker herstellen. Noch in diesem Jahr soll die erste klinische Studie starten. Gefahren für Gesundheit und Umwelt will das Unternehmen nicht sehen.

Das kanadische Unternehmen SemBioSys hat Öldisteln gentechnisch so verändert, dass sie in ihrem Öl das menschliche Hormon Insulin produzieren. Die Firma hat ihre Methode 2005 patentieren lassen und die Gen-Disteln bereits in Chile, Mexiko, den USA und Kanada auf Versuchsfeldern angebaut. Nun konnte sie im Tierversuch nachweisen, dass das Gendistel-Insulin bei Mäusen den Blutzuckerspiegel genauso wirksam senkt wie bereits auf den Markt befindliches Humaninsulin. Noch in diesem Jahr will SemBioSys mit den ersten klinischen Studien an Menschen beginnen.

„Die Notwendigkeit, Insulin in Pflanzen zu produzieren, besteht eigentlich nicht“, schreibt das Deutsche Ärzteblatt. Seit einem Vierteljahrhundert werde Humaninsulin mithilfe von gentechnisch modifizierten Escherichia coli Bakterien oder Hefepilzen hergestellt. Diese Verfahren würden ausreichen, um den Bedarf zu decken. Doch das Verfahren ist teuer und so begründet SemBioSys den Anbau von Gen-Disteln vor allem damit, dass sich damit die Produktionskosten für Insulin um 40 Prozent senken ließen.

Erkauft wird diese erwartete Kostensenkung mit einem erhöhten Verunreinigungsrisiko. Die Produktion von Insulin mit manipulierten Mikroorganismen passiert in geschlossenen Systemen. Die Gefahr, dass das manipulierte Erbgut in die Umwelt gelangt ist minimal. Beim Anbau von Disteln dagegen kann das Erbgut über den Pollen durch Wind und Insekten auf andere Disteln übertragen werden. Distelöl ist eines der wichtigsten Speiseöle. Nimmt jemand ohne es zu wissen, mit seinem Salat eine Extra-Dosis Insulin zu sich, könnte das zu einem lebensgefährlichen Insulinschock führen, warnt Professor Joe Cummins, einer der profiliertesten amerikanischen Gentechnik-Kritiker. „Distel-Insulin mag mit dem humanen Hormon identisch sein, unbedenklich ist die landwirtschaftliche Produktion von Medikamenten mitnichten“, lautet das Fazit des Ärzteblatts.

Mehr Informationen bietet das Umweltinstitut München:
Transgene Pharmapflanzen: Entwicklungen, Risiken, Kontrollversuche

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