Nachrichten | 30.4.2007

Neue Freisetzung:

Versuch mit Gentech-Erbsen genehmigt

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat die Freisetzung gentechnisch manipulierter Erbsen neben der Genbank in Gatersleben in Sachsen-Anhalt genehmigt. 75.000 Menschen hatten gegen den Versuch Einwendungen erhoben. Sie befürchteten, dass die rund 6.000 alten Erbsensorten in der Genbank verunreinigt würden.

Das BVL konnte dieses Argument nicht vollständig ausblenden. Allerdings hat die Behörde nicht den Gen-Erbsen-Anbau verboten, sondern verfügt, dass die Genbank während der Freisetzung keine Erbsen aus ihrem Sortiment im Freiland anbauen darf. So könnten Auskreuzungen in das Erbmaterial der Genbank vermieden werden, schrieb das BVL. Zu Flächen außerhalb des Institutsgeländes, auf denen konventionelle Erbsen angebaut werden, müsse ein Abstand von mindestens 1000 Metern eingehalten werden. Mit weiteren Sicherheitsauflagen will das BVL verhindern, dass sich das manipulierte Erbgut ausbreitet.

Während die Behörde zu dem Schluss kommt, dass von dem Freisetzungsversuch keine schädlichen Einflüsse auf Menschen, Tiere und Umwelt zu erwarten seien, sehen Gentechnik-Kritiker die Gefahr nicht als gebannt an. Das Umweltinstitut München, das die Einwendungen organisiert hat, verweist auf die mögliche Verschleppung der Erbsenpollen durch Bienen und Hummeln über mehrere Kilometer hinweg.

Die 600 Erbsenpflanzen, die die Firma Novoplant auf 100 Quadratmetern anbauen will, sind mit Hilfe von Mäuse-Genen so manipuliert, dass sie ein Arzneimittel gegen Durchfall bei Schweinen produzieren. Sie sollen in Zukunft als Antibiotika-Ersatz in Futtermittel für die industrielle Tiermast gemischt werden. Allerdings sind die Erbsen nach Angaben des Umweltinstituts München nur zur Vorbeugung vorgesehen. Für eine therapeutische Behandlung erkrankter Tiere seien sie nicht geeignet.

Nach Meinung des Umweltinstituts gehören Pharma-Pflanzen wie die Gen-Erbsen grundsätzlich nicht auf den Acker. Mit dem Anbau solcher Gewächse kämen völlig neue und riskante Stoffe in die Natur. „Der Einbau von Mäuse-Genen und damit die Vermischung von Tier und Pflanze ist darüber hinaus ethisch absolut inakzeptabel“, hieß es in der Einwendung des Umweltinstituts.

Hintergrundinfo des Umweltinstituts München

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