Nachrichten | 14.5.2007

Behörde stuft Gen-Mais als Umweltgefahr ein

Verbieten will sie ihn aber nicht

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat den Gentechnik-Konzern Monsanto dazu verpflichtet, einen Plan zur Beobachtung der Umweltauswirkungen der Gen-Maissorte MON 810 vorzulegen. Erst wenn ein solches Monitoring vorhanden sei, dürfe der Konzern das Saatgut für seinen Gen-Mais wieder verkaufen. Neue wissenschaftliche Informationen, so das BVL in seinem Bescheid vom 27. April, „geben berechtigten Grund zu der Annahme, dass der Anbau von MON 810 eine Gefahr für die Umwelt darstellt.” 

Allerdings sieht die Behörde in diesen Umweltgefahren keinen Grund, den Anbau – wie in den EU-Staaten Österreich, Ungarn, Polen und Griechenland - zu verbieten. „Es ergibt sich die Notwendigkeit einer eingehenderen Überwachung als dies bisher der Fall ist“ schreibt die Behörde und fordert von Monsanto einen Monitoring-Plan, wie ihn das EU-Recht bereits seit 2003 vorsieht. Allerdings kommt die Anordnung für 2007 zu spät, da das Gen-Maissaatgut spätestens Anfang Mai in die Erde kam. Weil der Bescheid bei Gentechnik-Bauern zu Unruhe führte, teilte das BVL eigens mit, dass bereits an Landwirte abgegebenes oder ausgesätes Saatgut nicht von dieser Regelung betroffen sei. Dies bedeutet, dass der Gen-Maisanbau 2007 in Deutschland von der Anordnung der Behörde nicht berührt wird und weiter ohne Monitoring auskommt. Warum das BVL nicht schon früher einschritt, bleibt offen. Die Veröffentlichungen, mit denen das Amt die Umweltgefahr begründet, stammen aus den Jahren 2005 und 2006.
Entsprechend hart ging Greenpeace-Gentechnikexpertin Ulrike Brendel mit Agrarminister Horst Seehofer ins Gericht. „Nicht nur Umwelt- und Verbraucherverbände, sondern auch Wissenschaftler, Imker und Landwirte haben den Minister in der Vergangenheit immer wieder auf die Risiken von Gen-Pflanzen aufmerksam gemacht. Die Grundlage, den Anbau von Gen-Mais zu stoppen bzw. zu verschärfen, gibt es also schon länger. Mit seinen halbherzigen Schritten nimmt Herr Seehofer den Schutz der Umwelt und der gentechnikfreien Landwirtschaft nicht ernst.“
Die behördliche Forderung nach einem Überwachungsplan brachte den Gentechnik-Konzern Monsanto nicht aus der Ruhe. „Monsanto betreibt bereits jetzt ein Monitoring-Programm, das den zukünftig geforderten Auflagen voll und ganz entspricht“, erklärte die Firma.

Der Bescheid des BVL
Das MON 810 Dossier des Informationsdienstes Gentechnik

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