Nachrichten | 21.5.2007

Gen-Soja in Biofutter

Wenn der Preis wichtiger ist als die Qualität

In den letzten Monaten sind zwei Fälle bekannt geworden, in denen Bio-Futtermittel mit Gen-Soja verunreinigt waren. Den betroffenen Legehennen und Schweinen wurde die Bio-Anerkennung entzogen. Die EU-Öko-Verordnung erlaubt bei Bio-Hennen und Schweinen bis zu 15 Prozent konventionelles Futter und das dürfen auch Soja-Bohnen sein. Während die deutschen Anbauverbände das billige konventionelle Soja-Eiweiß ausgeschlossen haben, dürfen es EU-Bio-Betriebe einsetzen, und können dadurch billiger produzieren.

Im ersten Fall hatte der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen KAT in Bio-Legehennen-Betrieben in den Niederlanden und Italien gentechnisch verändertes Soja in Futtermitteln gefunden. Das Futter stammte aus einem niederländischen und zwei italienischen Futtermittelwerken. Nach Angaben von KAT wurden sämtliche von den Lieferungen betroffenen Betriebe vorläufig für die Vermarktung von Bio-Eiern gesperrt. Deutsche Erzeuger waren davon nicht betroffen, vermutlich aber der LEH. Denn mehr als drei Viertel der niederländischen Bio-Eier werden nach Deutschland verkauft, unter anderem an Aldi. Laut KAT hatte die niederländische Futtermühle über mehrere Zwischenhändler angeblich gentechnikfreie konventionelle Sojabohnen bezogen. Anscheinend hatte die Futtermühle vorab keine GVO-Analysen in Auftrag gegeben, sondern sich auf Versicherungen der Lieferanten verlassen. Nachträgliche Messungen ergaben dann einen GVO-Gehalt von 2,9 Prozent in den Sojabohnen.

Im zweiten Fall hatte ein niedersächsischer Bio-Bauer seine 650 Schweine mit Öko-Futter aus einem holländischen Betrieb versorgt, das 1,7 Prozent Sojabohnen enthielt. Eine Analyse ergab, dass diese Sojabohnen zu 2,4 Prozent mit Gen-Soja verunreinigt waren. Als der Bauer von der Verunreinigung erfuhr, hatte er seine Schweine schon acht Tage lang mit dem Futter gemästet. Die niedersächsische Kontrollbehörde entschied daraufhin, dass die Schweine nicht als Bio-Schweine vermarktet werden dürfen. Der Bauer zog vor Gericht und argumentierte, dass die Verunreinigung bezogen auf das gesamte Futter nur 0,04 Prozent betragen habe und ein Öko-Schwein nicht nur acht sondern rund 130 Tage gemästet werde. Doch das Gericht gab der Behörde recht: Die Verbraucher würden bei Bio-Lebensmittel 100 Prozent Gentechnikfreiheit erwarten.

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