Nachrichten | 11.6.2007

Mal hü, mal hott:

Bund erlaubt Monsanto den Versuchsanbau von Gen-Mais

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat dem Gentechnik-Konzern Monsanto an neun Standorten in Deutschland Freisetzungsversuche mit Gen-Mais erlaubt. Der Konzern darf von 2007 bis 2011 an jedem Standort jedes Jahr bis zu 50.000 Maispflanzen anbauen. Sie gehören zu den Sorten MON 89034, MON 88017, MON 89034 und NK603 und wurden so manipuliert, dass sie Gifte gegen die Raupen des Maiszünsler beziehungsweise gegen den Maiswurzelbohrer und seine Larven produzieren. Einige der Maissorten sind zudem gegen das Monsanto-Pestizid Glyphosat resistent. Vor sechs Wochen hatte das BVL den Verkauf von MON 810, einer ähnlichen Maissorte von Monsanto, verboten, weil ssie Umweltgefahren befürchtete.

Anders als die 15.000 Menschen, die gegen die Versuche Einwendungen erhoben hatten, kommt das BVL in seiner Sicherheitsbewertung in diesem Fall zu dem Schluss, dass von den Freisetzungsversuchen keine schädlichen Einflüsse auf Menschen und Tiere sowie auf die Umwelt zu erwarten seien. Die geforderten Sicherheitsmaßnahmen bezeichnet die Behörde deshalb als vorsorglich. Sie verlangt, dass Monsanto zwischen den Freisetzungsflächen und landwirtschaftlichen Nutzflächen mit nicht genmanipuliertem Mais 200 Meter Abstand einhält. Ferner muss die Firma um den gentechnisch veränderten Mais einen Gürtel aus konventionellem Mais aussäen, der zeitgleich mit dem Gen-Mais blüht. Eine Verfütterung oder die Verwendung des Gen-Maises als Lebensmittel sind nicht zulässig.

Der Naturschutzbund NABU kritisierte, dass die möglichen Risiken der Gen-Maissorten für Natur und Umwelt nicht geprüft wurden. Die Sicherheitsvorkehrungen würden ein Verschleppen und Fressen des Maises durch Wildschweine und Vögel und damit eine weitere Ausbreitung der Maissorte nicht verhindern. Weil der Versuchsanbau mit dem Einsatz des für Frösche und Amphibien giftigen Herbizids Glyphosat einhergeht, befürchtet NABU-Präsident Olaf Tschimpke auch negative Auswirkungen auf geschützte Unken und Molche: „Naturschützer vor Ort müssen fassungslos zusehen, dass selbst an höchst sensiblen, artenreichen Biotopen wie im sächsischen Rasslitz Dosierungsversuche mit möglicherweise giftigem Unkrautvernichtungsmittel durchgeführt werden dürfen.“

Die genehmigten Standorte

  • Oberboihingen und Grünsfeld (Baden-Württemberg)
  • Klein Lüsewitz und Gerdshagen (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Gerbitz und Bergzow (Sachsen-Anhalt)
  • Rasslitz (Sachsen)
  • Düllstadt (Bayern)
  • Niedermöllrich (Hessen, 2008 bis 2011)
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