Nachrichten | 19.6.2007

Gen-Mais NK603

Verdacht auf Gesundheitsgefahr

Die auch in der EU als Lebensmittel zugelassene Gen-Maissorte NK603 ist möglicherweise gesundheitsgefährlich. Das ergibt sich aus einem Report der französischen Expertengruppe CRIIGEN, den die Umweltorganisation Greenpeace vorstellte.

NK603 gehört zu den Pflanzen, die der Agrarkonzern Monsanto mit Hilfe von Genmanipulation unempfindlich gegen das hauseigene Pestizid Round Up gemacht hatte. Die EU-Kommission hat NK603 2004 als Lebens- und Futtermittel zugelassen. Der Anbau ist allerdings nicht gestattet. Grundlage der Zulassung war eine wissenschaftliche Bewertung durch die EU-Lebensmittelbehörde EFSA im Jahr 2003. Deren Experten prüften von Monsanto vorgelegte Studien und kamen zu dem Ergebnis, dass NK603 genau so sicher wie konventioneller Mais.

Die CRIIGEN-Experten um den französischen Professor Gilles Eric Seralini von der Universität Caen haben diese Monsanto-Studien genauer unter die Lupe genommen, nachdem CRIIGEN und Greenpeace deren Veröffentlichung erzwungen hatten. Im Mittelpunkt des Reports steht eine Fütterungsstudie, bei der Ratten über 90 Tage mit NK 603 gefüttert und mit Tieren verglichen wurden, die herkömmlichen Mais erhalten hatten. Dabei ergaben sich bei den Tieren mit Gen-Mais im Futter rund 70 statistisch signifikante Änderungen. Sie betrafen Blut- und Urinwerte ebenso wie das Gewicht von Hirn, Herz und Leber. Die französischen Wissenschaftler stellten fest, dass alle diese Veränderungen von Monsanto ohne ordentliche Überprüfung als Zufälligkeiten abgetan worden waren. Im Fazit der Studie schrieb Monsanto, dass die Ratten gleichartig auf das jeweilige Maisfutter reagiert hätten und der Gen-Mais gleichwertig mit herkömmlichen Mais sei. CRIIGEN kritisierte, dass sämtliche an der Zulassung von NK603 beteiligten Behörden und Experten diese Begründung ohne eigene Untersuchungen abgenickt hätten. Es habe weder eine vernünftige statistische Auswertung der Monsanto-Studie noch eine unabhängige Toxizitätsüberprüfung gegeben. Beides müsse umgehend nachgeholt werden.

„Wer diesen Gen-Mais zulässt, macht Verbraucher zu Versuchskaninchen“, kommentierte Christoph Then, Gentechnikexperte von Greenpeace. „Der von uns vorgestellte Report zeigt, dass die Risikoprüfung von Gen-Saaten in der EU nicht funktioniert. Die zum Teil manipulierten Angaben der Industrie werden nicht wirklich überprüft. Es findet keine unabhängige Risikoforschung statt.“ Greenpeace fordert deshalb eine vollständige Neuorganisation der Zulassungstelle EFSA sowie einen Stopp der Zulassung und des Anbaus von Gen-Pflanzen in der EU.

Der CRIIGEN-Report zum Monsanto-Gen-Mais NK603 (auf Englisch)
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