Nachrichten | 28.6.2007

Wilder Osten

Genmais-Anbau ohne Genehmigung

Die Umweltorganisation Greenpeace hat einen Fall von illegal angebautem Gen-Mais in Brandenburg gemeldet. Aktivisten hätten den Acker mit Absperrband und einem Wachturm gesichert, teilte die Organisation mit. Sie stellte Strafanzeige gegen den verantwortlichen Landwirt, weil der Genmais-Acker nicht im Standortregister gemeldet war.

Greenpeace hatte mit Hilfe eines Schnelltests, der auf ein bestimmtes Protein reagiert, nachgewiesen, dass es sich um den Gen-Mais MON 810 handelte. Betroffen waren nach Angaben von Greenpeace-Expertin Ulrike Brendel ein 25 Hektar großer Acker, der aus dem Standortregister abgemeldet war. Dort habe man sowohl Gen-Mais als auch herkömmliche Maispflanzen festgestellt. „Offenbar ist auf dem Acker das Saatgut vermischt worden“, vermutete sie in der örtlichen Presse. Auf einem benachbarten drei Hektar großen Grundstück seien alle Proben positiv gewesen. Dieser Acker sei nie gemeldet worden. „Es ist der reinste Irrsinn: keiner kann mehr mit Gewissheit sagen, wo überall Gen-Mais wächst“, sagte Brendel und machte dafür auch Landwirtschaftsminister Seehofer verantwortlich. Der habe versäumt dafür zu sorgen, dass die Gesetze eingehalten und kontrolliert werden.

Die betroffenen Flächen gehören der Landfarm Hohenstein GmbH. Deren Geschäftsführer Jörg Piprek ist einer der bekanntesten Genmais-Anbauer Brandenburgs. Er wies gegenüber der lokalen Presse die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Er sei sich keiner Schuld bewusst und habe nur auf den angezeigten Flächen Genmais angebaut. Nach Angaben von Greenpeace fordert der Eigentümer eines der betroffenen Flurstücke von Pächter Jörg Piprek, den Gen-Mais unverzüglich abzuernten. Er hätte bereits vor der Aussaat im März 2007 seinem Pächter den Anbau von Gen-Mais explizit untersagt.

Wenige Tage zuvor hatte Greenpeace erstmals einen Fall veröffentlicht, bei dem ein Pächter ohne Wissen der Eigentümerin einen Acker als Gentechnik-Standort angemeldet und mit MON 810 bepflanzt hatte. Erfahren hatte die Eigentümerin von dem Anbau durch Zufall: Die Polizei war bei ihr aufgetaucht auf der Suche nach Feldbefreiern. Nun fordert sie, dass der Pächter den Mais aberntet und den Acker umbricht. Der weigert sich. Deshalb müssen nun die Richter entscheiden, ob die Eigentümer von Ackerland informiert werden und zustimmen müssen, wenn der Pächter dort Genpflanzen anbauen will.
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