Nachrichten | 2.7.2007

Absage aus Brüssel

Noch keine Zulassung für Amflora / Gen-Mais Herculex bleibt vorerst illegal

Die EU-Umweltminister haben ihre Entscheidung über die Zulassung der Gen-Kartoffel Amflora vertagt. Abgelehnt haben es die Mitgliedsstaaten, den Gen-Mais Herculex RW zuzulassen. Sie ignorierten damit den Druck aus den USA, den dort erlaubten Gen-Mais auch in die EU liefern zu dürfen. Ende April 2007 hatte Greenpeace in Rotterdam einen US-Frachter entdeckt, dessen Maiskleber-Ladung mit Herculex RW verunreinigt war.

Auf ihrer Rats-Tagung haben die EU-Umweltminister keine Entscheidung über die Zulassung der Gen-Kartoffel Amflora der Firma BASF getroffen. Die Knolle weist eine geänderte Stärkezusammensetzung auf, die sie als Rohstoff für die chemische Industrie interessant machen soll. Sie enthält auch ein Gen für eine Antibiotikaresistenz und war deshalb in die Kritik geraten. Doch die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hatte die Bedenken zurückgewiesen.

Die Vertagung kommt Umweltminister Sigmar Gabriel entgegen. Umweltverbände und Grüne hatten ihn aufgefordert, aus seinem „Tiefschlaf in Sachen Agro-Gentechnik“ aufzuwachen und die Zulassung abzulehnen. In Deutschland wachsen Amflora-Kartoffeln derzeit – als Versuchsanbau deklariert - auf 155 Hektar. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) wies darauf hin, dass in Deutschland und der EU für Freisetzungen keine Flächenbeschränkung existiere. „Wenn in der Freisetzungsphase, die allein der wissenschaftlichen Erprobung dienen soll, riesige Gentech-Felder zugelassen werden, weicht dies die Grenze zwischen experimenteller Erprobung und kommerzieller Nutzung auf“, sagte Hubert Weiger, agrarpolitischer Sprecher des BUND.

In dem für Genfood-Zulassungen zuständigen Ausschuss der EU ist die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit für die Zulassung der Gen-Maissorte Herculex RW von Pioneer nicht zustande gekommen. Dieser Mais ist eine Abwandlung des üblichen Bt-Maises und gegen den Maiswurzelbohrer resistent. In Fütterungsversuchen hatten sich bei Ratten Blut- und Leberwerte verändert. Der in der EU derzeit noch illegale Mais ist bereits in Schiffsladungen mit US-Mais als Verunreinigung gefunden worden. Würden die zuständigen Behörden in den EU-Mitgliedsstaaten konsequent handeln, könnten sie solche Schiffe samt Ladung wieder in die USA zurückschicken. Entsprechend groß ist das Interesse der USA an einer baldigen Zulassung. „Die USA üben extremen Druck auf den europäischen Markt aus. Doch diese Abstimmung ist ein deutliches Signal, dass die Staaten der EU Gesundheits- und Umweltbelange höher bewerten als die Wirtschaftsinteressen der USA”, kommentierte Jens Karg, Gentechniksprecher der österreichischen Umweltorganisation Global 2000 die Entscheidung.

Nun müssen sich die EU-Umweltminister nach der Sommer pause mit Amflora und Herculex befassen. Sollten auch sie keine Zwei-Drittel-Mehrheit für oder gegen eine Zulassung zustande bringen, fällt die EU-Kommission die endgültige Entscheidung. Diese dürfte dann – wie bisher immer – zugunsten der grünen Gentechnik ausfallen.
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