Nachrichten | 10.7.2007

Gen-Mais MON 863

Erneuter Persilschein von der EFSA

Trotz erheblicher Sicherheitsbedenken von EU-Mitgliedsstaaten und unabhängigen Wissenschaftlern hat die europäische Lebensmittelbehörde EFSA den Gen-Mais MON 863 von Monsanto erneut für „sicher“ erklärt. Dabei stützte sich die Behörde nur auf umstrittene Fütterungsversuche von Monsanto. Eigene Studien hält sie nicht für notwendig.

Seit Jahren streiten Experten über mögliche Gesundheitsgefahren durch den Gen-Mais MON 863. Eine Fütterungsstudie von Monsanto führte zu Vergiftungssymptomen und Schädigungen von Leber und Nieren bei Ratten, die den Gen-Mais essen mussten. Monsanto hatte die Ergebnisse als Zufälligkeiten bewertet. Die EFSA und die EU-Kommission übernahmen diese Deutung und erlaubten 2006 die Einfuhr als Lebens- und Futtermittel. Greenpeace erzwang die Veröffentlichung der Fütterungsstudie und französische Experten wiesen im März 2007 nach, dass Monsanto die Studie falsch ausgewertet hatte. Die Ergebnisse seien biologisch relevant und MON 863 hätte nicht zugelassen werden dürfen, lautete das Fazit.

Der zuständige Ausschuss der EFSA stellte nun fest, dass für ihn diese erste unabhängige Analyse der Daten keinen Anlass zu neuen Sicherheitsbedenken gebe. Zwar gibt auch die EFSA zu, dass es bei den Fütterungsversuchen statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Tiergruppen gegeben habe, hält diese aber weiterhin für bedeutungslos. „Da Hinweise darauf fehlen, dass die beobachteten Differenzen auf unerwünschte Wirkungen schließen lassen, gibt dieses Dokument nach Ansicht des GMO-Gremiums keinen neuen Anlass zu Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von MON 863-Mais“, teilte die Behörde mit. Weil sie keine Bedenken hat, hält sie auch eigene Fütterungsversuche für unnötig.

„Unabhängige Experten in den Zulassungsbehörden haben die Sicherheit von MON863 Mais festgestellt“, freute sich Monsanto Deutschland über die EFSA-Mitteilung. Christoph Then, Gentechnik-Experte von Greenpeace, bezweifelt die Unabhängigkeit der EFSA: „Der Schutz der Verbraucher steht in der EU hinter den wirtschaftlichen Interessen der Gen-Konzerne. Seit ihrer Gründung hat die EFSA immer die Position der Industrie vertreten. Die Behörde verlässt sich meist komplett auf die Angaben der Industrie und hat in vielen Fällen sogar konkrete Bedenken von Experten verschiedener EU-Regierungen ignoriert.“ Die grüne Europa-Abgeordnete Hiltrud Breyer forderte Verbraucherschutzminister Seehofer auf, bei MON 863 den Kopf nicht länger in den Sand zu stecken: „Die Bundesregierung als Erstzulassungsland hat die Möglichkeit, bei der EU-Kommission die Neubewertung zu veranlassen. Dies muss sie umgehend tun.“ Doch auch das Seehofer unterstehende Bundesinstitut für Risikobewertung will im MON 863 kein Risiko sehen.

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