Nachrichten | 10.7.2007

Erste Freilandversuche

Biologische Schädlingsbekämpfung durch Gen-Insekten

Durch Genmanipulation steril gemachte Insekten sollen ihre Artgenossen verdrängen. In den USA startet in diesem Sommer ein Großversuch auf Baumwollfeldern. Im Visier haben die Forscher auch Moskitos, die Krankheiten übertragen.

So sieht der Plan aus: Männliche Insekten werden mit Hilfe eines RIDL abgekürzten Gentechnik-Konstrukts manipuliert. Solange die Tiere mit dem Futter das Antibiotikum Tetrazyklin erhalten, können sie sich fortpflanzen. Werden sie in die freie Natur entlassen, wo es kein Tetrazyklin gibt, können die Männchen zwar noch die Eier befruchten, doch die Larven sterben ab. Lässt man die Männchen in Überzahl frei, verdrängen sie ihre wildlebenden Artgenossen und können so die Population zum Aussterben bringen.

Ob diese Theorie funktioniert, will die britische Firma Oxitec in einem 40 Hektar großen Baumwollfeld in Arizona ausprobieren. Dort setzt sie diesen Sommer Hunderttausende von genmanipulierten sterilen Baumwollmotten aus. Die US-Landwirtschaftsbehörde hat den Versuch bereits genehmigt. In Malaysia experimentiert das Unternehmen nach einem Bericht des Handelsblatts mit genmanipulierten Moskitos. Die Tiere gehören zu der Art, die das in den Tropen gefürchtete Dengue-Fieber überträgt. Sollten die Experimente erfolgreich sein, plant das Unternehmen Freilandversuche auf zwei malaysischen Inseln.

Sterile Insekten wurden schon bisher zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Allerdings wurden die Tiere bisher durch radioaktive Strahlung sterilisiert. Doch die Strahlung schädigt die Tiere und erschwert dadurch die Paarung mit den wildlebenden Artgenossen. Die genmanipulierten Männchen sollen dagegen so agil sein wie ihre natürlichen Konkurrenten. Auch lässt sich das RIDL-Konstrukt bei mehr Insektenarten anwenden als die Sterilisation durch Strahlen.

Die Umweltverbände sehen den Einsatz kritisch. Das Handelsblatt zitiert den Greenpeace-Gentechnikexperten Christoph Then: „Bei Mücken, die so manipuliert sind, dass ihre Nachkommen aussterben sollen, gibt es für ungewollte Effekte im Genom und Wechselwirkungen mit der Umwelt keine Garantie – im Gegenteil, das Unvorhergesehene liegt in der Natur der belebten Natur, insbesondere, wenn neue Informationen in Form von biologisch aktiven DNA-Abschnitten eingefügt werden."

powered by