Nachrichten | 23.7.2007

„Ohne Gentechnik“

Seehofer will Kennzeichnung erleichtern

Landwirtschaftsminister Horst Seehofer hat angekündigt, dass er die Kennzeichnung von Lebensmittel erleichtern will, die ohne Hilfe von Gentechnik hergestellt wurden. Die bisherigen Regelungen waren so streng, dass kaum ein Produzent diese Werbemöglichkeit nutzen wollte. Bio- und Umweltverbände begrüßten diese Ankündigung.

Wann ein Lebensmittel als „ohne Gentechnik“ hergestellt beworben werden darf, regelt die neuartige Lebensmittel Verordnung. Sie verlangt von den Herstellern detaillierte Nachweise, dass bei der Herstellung oder Erzeugung der einzelnen Zutaten und Hilfsstoffe keinerlei gentechnisch veränderte Organismen (GVO) im Einsatz waren. Das Niveau ist vergleichbar mit dem der EU-Öko-Verordnung, die ja den Einsatz der Gentechnik verbietet. Manche Details sind sogar noch strenger. Deshalb benutzte bisher kaum ein Lebensmittelhersteller die Kennzeichnung. Erlassen hatte diese als „Verhinderungsgesetz“ bezeichnete Verordnung 1998 der damalige Gesundheitsminister Horst Seehofer.

Bei der Vorstellung seines Gentechnikgesetzes kündigte Seehofer nun an, dass er spätestens im Herbst auch eine Verordnung für die Kennzeichnung "ohne Gentechnik" vorlegen wolle, die weitgehende Erleichterungen für die Nutzer dieses Labels bringen werde. Damit will Seehofer erreichen, dass die Hersteller tierischer Erzeugnisse offensiv damit werben können, wenn sie auf GVO-haltige Futtermittel verzichten. „Die Wahlfreiheit wird verbessert, weil die Verbraucher nicht länger dazu gezwungen werden, mit jedem Joghurt, mit jedem Schnitzel die Agrargentechnik zwangsweise zu unterstützen“, lobte Matthias Wolfschmidt, Kampagnenleiter bei der Verbraucherorganisation Foodwatch die Ankündigung Seehofers.

„Da Öko-Produkte immer ohne Gentechnik hergestellt werden, braucht unsere Branche kein zusätzliches Label „gentechnikfrei“", betonte Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes ökologische Lebensmittelwirtschaft. Trotzdem habe auch die ökologische Lebensmittelwirtschaft großes Interesse daran, dass eine solche Regelung in der Praxis funktioniere. Denn wenn konventionelle Bauern und die Verarbeiter ihrer Produkte die Verbraucher auf eine gentechnikfreie Produktionsweise hinweisen könnten, entstehe ein zusätzlicher Grund auf den Anbau von Gentechnik-Pflanzen zu verzichten. „Und je weniger davon angebaut wird, desto geringer ist das Risiko für Biobauern und Imker, kontaminiert zu werden“ argumentierte der BÖLW Vorsitzende. Vorbild für die Umsetzung könnte die österreichische Regelung sein. Dort haben sich die als "kontrolliert gentechnikfrei erzeugt" ausgezeichneten Lebensmittel erfolgreich etabliert. Kaum eine Molkerei kommt ohne gentechnikfreie Milch aus.

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