Nachrichten | 5.9.2007

Raps-Saatgut verunreinigt

Samen schon im Boden / Freisetzungen als mögliche Ursache

Das Pflanzenzuchtunternehmen „Deutsche Saatveredlung“ (DSV) aus dem westfälischen Lippstadt hat gentechnisch verunreinigte Rapssaat an Betriebe in Rheinland-Pfalz, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen geliefert. Ein Teil der Ware konnte noch zurückgerufen werden. Doch auf etwa 1500 Hektar ist das Saatgut bereits im Boden.

Entdeckt hatte die Verunreinigung das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium. Sie betrug nach Agenturmeldungen lediglich 0,03 Prozent. Doch bei Saatgut gilt EU-weit eine Null-Toleranz. Alle Versuche der EU-Kommission, Verunreinigungsgrenzwerte für Saatgut einzuführen, sind bisher gescheitert. Umwelt- und Bio-Verbände warnten vor den Auswirkungen dieser Kontamination.

Der Saatgutlieferant DSV besteht darauf, dass es sich bisher nur um einen „Verdachtsfall für einen GVO-Besatz“ handele. Es habe die betroffene Charge vor dem Verkauf zweimal und nach der Verunreinigungs-Meldung nochmals auf GVO untersuchen lassen. Die Labore hätten keine Verunreinigung feststellen können. „Wir gehen auf Grund dieser Analyseergebnisse davon aus, dass die Partie nicht mit GVO verunreinigt ist“, sagte der Geschäftsführer. Er forderte das NRW-Ministerium auf, eine „B-Probe“ zu ziehen, um Analysefehler auszuschließen.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, müssten die Behörden das Unterpflügen bereits angesäter Rapsfelder anordnen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) bezweifelte, ob dies ausreicht. Nicht ausgekeimte Samen könnten in den folgenden Jahren auskeimen und zur Blüte gelangen. Rapskörner im Boden würden bis zu 15 Jahren keimfähig bleiben. Für den BUND ist der Vorgang „ein Beweis dafür, dass es eine Koexistenz zwischen gentechnischem und normalem Anbau nicht gibt.“ Thomas Dosch, Präsident des Anbauverbandes Bioland, forderte: „Die betroffenen Bundesländer müssen über wirkungsvolle Maßnahmen auf den bereits ausgesäten Flächen sicherstellen, dass kein keimfähiges Saatgut im Boden verbleibt. Den betroffenen Landwirten darf dabei aber kein materieller Schaden entstehen". Die DSV bezifferte die Kosten auf mindestens eine halben Million Euro.

Zur Quelle der möglichen Verunreinigung sagte DSV-Vorstand Christoph Lüdecke, es sei möglich, dass es sich „um die Folgen genehmigter Freisetzungsversuche in den 90er Jahren“ handele. Bisher haben die Behörden noch keine Angabe gemacht, welche Gen-Raps-Sorte als Verunreinigung festgestellt wurde. Bioland forderte deshalb dringend weitere Untersuchungen, um festzustellen, ob und wie weit sich Gen-Raps aus Anbauversuchen ausgebreitet habe.

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