Nachrichten | 24.9.2007

USA: Erfolgreiche Verbraucherproteste

Milch wird Monsanto-frei

In den USA erhalten Milchkühe seit Jahren ein gentechnisch hergestelltes Wachstumshormon, damit sie mehr Milch geben. Doch immer mehr Bauern, Molkereien, Verarbeiter und Handelsketten lehnen die Hormon-Milch ab. Jetzt hat auch die Cafe-Kette Starbucks diesen Schritt angekündigt. Hersteller des seit 1993 in den USA zugelassenen und unter dem Namen Posilac verkauften Wachstumshormons rBST ist der Gentechnik-Konzern Monsanto. Nach dessen Angaben wurden bisher ein Drittel der neun Millionen Milchkühe in den USA alle zwei Wochen mit dem Gen-Hormon gespritzt.

Seit Jahren machten Verbrauchergruppen und Tierschützer Front gegen die Hormon-Milch. Ärztegruppen warnten vor möglichen gesundheitlichen Gefahren. Veränderungen in der Milch würden das Krebsrisiko erhöhen, argumentierte sie. Außerdem litten die Kühe durch die erhöhte Milchproduktion immer häufiger an Euterentzündungen, die müssten mit Antibiotika behandelt werden, deren Rückstände sich dann in der Milch fänden und Keime resistent machen würden. Die EU und die meisten anderen Industrienationen verweigern wegen solcher Bedenken seit Jahren die Zulassung des Hormons. Auch die Codex Alimentarius Kommission der Vereinten Nationen hält das Wachstumshormon nicht für sicher.

Inzwischen teilen immer mehr US-Verbraucher die Bedenken. Eine Koalition von 440 Organisationen aus dem Gesundheitssektor schaffte es, Hormon-Milch aus den meisten Krankenhäusern zu verbannen. Große Molkereien wie Californian Diary haben mit Blick auf ihre Kunden die Milchlieferanten verpflichtet, auf das synthetische Hormon zu verzichten . Supermarktketten wie Kroger bieten keine Eigenmarken-Milch von gedopten Kühen mehr an. In Umfragen fordern 80 bis 90 Prozent der Verbraucher eine Kennzeichnung von rBST-Milch. Die meisten von ihnen würden sie dann prompt im Regal stehen lassen.

Weil der Gesetzgeber eine solche Kennzeichnung bisher nicht einführte, loben Molkereien und Händler den Verzicht auf rBST aus. Monsanto versuchte, den Molkereien Werbesprüche für „hormon-free milk“ verbieten zu lassen. Der Konzern berief sich dabei auf die 14 Jahre alte Genehmigung der US-Lebensmittelbehörde. Diese sah damals keine Unterschiede zwischen Hormon-Milch und hormonfreier Milch Doch die zuständige US-Bundesbehörde schmetterte die Beschwerde Monsantos ab.

Die Verbraucherorganisation Organic Consumers Organisation kämpft seit 1994 gegen das Wachstumshormon. Heute freut sich Vorstand Ronnie Cummins: „Jetzt zeigt sich die Macht von Millionen von uns, die mit ihren Einkaufstüten gegen Monsantos Wachstumshormon stimmten. Dieses Hormon, das weltweit erste und wichtigste gentechnisch veränderte Nahrungsmittelprodukt, wird gerade vom Markt gefegt. Und Monsanto und die Freunde des Konzerns in der Lebensmittelbehörde können nichts dagegen tun, absolut gar nichts.“
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