Nachrichten | 8.10.2007

Umweltschützer warnen:

In Sachsen wachsen Gen-Äpfel „Made in Germany“

Am Institut für Obstzüchtung Dresden-Pillnitz forschen Wissenschaftler seit Jahren an gentechnisch manipulierten Äpfeln. Einige Sorten würden bereits in „Freilandkäfigen“ getestet, warnt der Naturschutzbund NABU. Er sieht die Genbank für Obstsorten in Gefahr, die ebenfalls von dem Pillnitzer Institut verwaltet wird. Sie könnte zu einem „Selbstbedienungsladen für Gentechniker“ verkommen.

In einem Hintergrund-Info des NABU setzt sich Hans-Joachim Bannier vom Pomologen-Verein (der sich für den Erhalt alter Obstsorten engagiert ) kritisch mit den Dresdner Gentechnikern auseinander. Er moniert insbesondere, dass die in Pillnitz betriebenen Arbeiten öffentlich vor allem als Sicherheitsforschung ausgegeben würden. Dabei hätten die Forscher einen „beängstigend eingeengten wissenschaftlichen Blickwinkel, wenn es um die strittige Frage geht, inwieweit sich eine unkontrollierte Ausbreitung von GVO bei einem Anbau gentechnisch veränderter Apfelbäume verhindern lässt.“ Detailliert belegt er seine Kritik anhand eines Artikel der Pillnitzer Forscher im Forschungs-Report des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Das Institut für Obstzüchtung gehört zur Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen und unterstehen Agrarminister Horst Seehofer. Bereits 2003 wollten die Forscher gentechnisch veränderte Apfelbäume anbauen. Sie scheiterten damals am Widerstand und öffentlichen Protest von Naturschutzverbänden. Deshalb wachsen die gentechnisch manipulierten Apfelbäume in Freiland-Käfigen, das sind Gewächshäuser, bei denen ein feines, angeblich insektensicheres Drahtgeflecht die Scheiben ersetzt.

Das Institut betreibt auch die staatliche Genbank für Obstsorten und wird bisher von Initiativen wie dem Pomologen-Verein dabei unterstützt. Hans-Joachim Bannier sieht - wie bei der Genbank für Getreide und Gemüse in Gatersleben - die Gefahr, dass künftig Gentech-Versuche die alten Sorten verunreinigen könnten. Sein Fazit: „Für die diversen Erhaltungs-Initiativen in Deutschland dürfte die Konsequenz über kurz oder lang die sein, sich eigene – von den staatlichen Stellen unabhängige – Genbanken aufzubauen.“
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