Nachrichten | 22.10.2007

Ministerium mauert

Gen-Raps-Flächen sollen geheim bleiben

Das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium will die Flächen geheim halten, auf denen Bauern im September gentechnisch verunreinigten Raps ausgesät hatten. Die Umweltorganisation BUND hatte auf Grundlage des Umweltinformationsgesetzes das Ministerium um Bekanntgabe der Flächen gebeten. In der Absage schreibt das Ministerium laut BUND, das Interesse der Landwirte an der Nicht-Bekanntgabe überwiege das öffentliche Interesse.

„Die Bekanntgabe der Flächen ist sehr wohl von höchstem öffentlichen Interesse und zwar nicht nur für die gesamte Landwirtschaft, sondern insbesondere auch für den Naturschutz, die Verbraucher, für Imker und für die große Anzahl von Gärtnern und Kleingärtnern im Land“, kommentierte Ina Walenda, Agraringenieurin beim BUND, die Entscheidung der Behörde. Der BUND befürchte Auskreuzungen des veränderten Erbgutes. Um ihre Erzeugnisse optimal zu schützen oder ihre Anbauplanung gegebenenfalls umzustellen, müssten Imker und gentechnikfrei wirtschaftende Bauern oder Gärtner die Standorte der Gen-Raps-Flächen genau kennen.

Das Ministerium hält dagegen, dass die betroffenen 300 Hektar umgebrochen und danach darauf angebaute Pflanzen mit Herbiziden behandelt würden. Dies verhindere einen späteren Aufwuchs des verunreinigten Rapses. Alle Befürchtungen über eine unkontrollierte Auskreuzung der gentechnisch veränderten Rapssaat seien somit reine Spekulation.

Der Bund will gegen den ablehnenden Bescheid des Ministeriums Widerspruch einlegen.

Zuvor hatten schon die Bio-Imker vergeblich eine Offenlegung der betroffenen Standorte in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen gefordert. Sie argumentieren, dass nicht aufgegangene Rapssamen 15 Jahre lang im Boden überdauern und wieder austreiben kann. Deshalb müssten sie ihre Bienenvölker für diese Zeit weit genug von den Standorten fern halten. Bienen haben einen Aktionsradius von bis zu zehn Kilometern.

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