Nachrichten | 29.10.2007

Zwei Tote in Brasilien

Chemie-Konzern Syngenta lässt auf Kleinbauern schießen

Bei Protesten gegen den Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta in Brasilien sind zwei Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Die internationale Bauernvereinigung Via Campesina warf dem Konzern vor, gezielt eine schwer bewaffnete Miliz eingesetzt zu haben und sprach von einer „Exekution“. Syngenta wies dies zurück.

200 Aktivisten der Landlosenbewegung MST und Vertreter von Via Campesina hatten eine Versuchsfarm des Konzerns im brasilianischen Bundesstaat Parana besetzt und die Wachleute vertrieben, um gegen den dortigen Anbau von Gen-Mais zu protestieren. Nach Angaben von Via Campesina fuhr nach wenigen Stunden ein Bus vor, aus dem rund 40 schwer Bewaffnete ausstiegen und das Feuer auf die Bauern eröffneten. „Sie exekutierten Valmir Motta mit zwei Schüssen in die Brust, schossen fünf weitere Bauern nieder und schlugen Isabel do Nascimento de Souza zusammen.“ Sie liegt nach Angaben der Organisation schwerstverletzt im Koma im Krankenhaus. Im daraufhin entbrannten Kampf starb nach Meldungen auch einer der Bewaffneten, vier von ihnen wurden verletzt. Die Regierung von Parana teilte mit, sie habe sieben der Bewaffneten verhaftete und werde Anklage erheben.

Die Versuchsfarm stand schon länger im Mittelpunkt von Auseinandersetzungen. Mitglieder der Landlosenbewegung MST hatten sie im März 2006, während der Internationalen Biodiversitäts-Konvention in Paranás Hauptstadt Curitiba, besetzt und verlangt, die dort angebauten Gen-Sojabohnen zu vernichten. Der Gouverneur von Parana solidarisierte sich mit den Besetzern und wollte Syngenta enteignen, um aus dem Testgelände ein Zentrum für Öko-Landbau zu machen. Im Juli 2007 siegte Syngenta vor Gericht und die Besetzer zogen ab. Jetzt kamen sie wieder.

Der weltweite Öko-Dachverband IFOAM nannte die Berichte über Syngentas bewaffnete Miliz schockierend und verurteilte das gewaltsame Vorgehen. „Der tragische Zwischenfall zeigt, dass Gentech-Pflanzen für eine Kultur der Gewalt stehen“, sagte IFOAM-Direktorin Angela B. Caudle. Sie sprach der Familie des getöteten Bauern Valmir Motta ihr Beileid aus.

Die Pressemitteilung von Via Campesina

powered by