Nachrichten | 13.11.2007

Neuer Vorstoß

Verbraucherzentralen fordern Gentechnikfrei-Kennzeichnung

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat Landwirtschaftsminister Horst Seehofer an sein Versprechen erinnert, die Kennzeichnung von gentechnikfreien Lebensmitteln zu verbessern. Konkret schlägt der Verband vor, eine neue Kennzeichnung für Lebensmittel „vom gentechnikfrei gefütterten Tiereinzuführen. „Wir wollen erreichen, dass Verbraucher künftig die Wahl haben, Erzeugnisse von Tieren kaufen zu können, die sich von gentechnikfreiem Futter ernährt haben“, begründete Gerd Billen, Vorstand des vzbv, den Vorstoß.

Die EU hat in einer Verordnung (Nr. 1829/2003), geregelt, wann ein Lebensmittel als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden muss. Bekommt ein Tier Gen-Soja, Gen-Mais oder andere gentechnisch veränderte Futtermittel in den Trog geschüttet, erfährt das durch eine vorgeschriebene Kennzeichnung des Futters zwar der Bauer. Der Verbraucher aber bleibt ahnungslos. Diese Verordnung in absehbarer Zeit zu ändern, ist unrealistisch.

In Deutschland gibt es aber seit 1998 die Möglichkeit, Lebensmittel als „gentechnikfrei“ zu kennzeichnen. Die vom damaligen Gesundheitsminister Seehofer erarbeitete Verordnung ist jedoch so streng und unpraktikabel, das bisher kaum ein Unternehmen diese Möglichkeit genutzt hat. Vor einigen Monaten hatte Seehofer versprochen, seine damalige „Neuartige Lebensmittel- und Lebensmittelzutaten-Verordnung (NLV)“ so zu ändern, dass Lebensmittel von gentechnikfrei gefütterten Tieren künftig einfach gekennzeichnet werden könnten. Einen entsprechenden Entwurf hat sein Ministerium bisher allerdings nicht vorgelegt.

Der vzbv schlägt nun vor, die Verordnung lediglich um einen Passus zu ergänzen und eine Kennzeichnung für Lebensmittel "vom gentechnikfrei gefütterten Tier" einzuführen. Voraussetzung dafür müsse sein, dass das Lebensmittel liefernde Tier selbst nicht gentechnisch verändert ist und dass das Futter, mit dem die Tiere gefüttert wurden, nicht nach der EU-Verordnung kennzeichnungspflichtig ist. Die SPD-Bundestagsfraktion kommentierte, der Vorschlag des vzbv „zielt in die richtige Richtung“. Sie habe aber einen eigenen Vorschlag vorgelegt, der sich stärker an die Öko-Verordnung anlehne.

Bei Öko-Futter müssen auch Zusatzstoffe im Futter wie Vitamine und Enzyme gentechnikfrei sein. Die meisten Futtermittel für konventionelle Tiere enthalten Enzyme und isolierte Aminosäuren, die gentechnikfrei kaum zu bekommen sind. Das hat schon bisher die Kennzeichnung „gentechnikfrei“ für deren Erzeugnisse unmöglich gemacht. Wer hier auf Gentechnikfreiheit beharrt, macht es der konventionellen Landwirtschaft einfach, ein „Gentechnikfrei“-Logo weiterhin als unpraktikabel zu unterlaufen. Der Vorschlag des vzbv hingegen betrifft die Zusatzstoffe nicht. Der vzbv zielt nur auf die verfütterten Gen-Pflanzen und schafft damit ein wirkungsvolles Instrument für den Markt. Denn Gen-Soja und Gen-Mais zu ersetzen, ist für die Futtermühlen machbar. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Lebensmittelhersteller überhaupt Milch, Käse, Butter, Eier und Fleisch „vom gentechnikfrei gefütterten Tier“ anbieten können, wenn die Verbraucher danach fragen

Mehr Infos zur NLV hat der Informationsdienst Gentechnik zusammengestellt.

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