Nachrichten | 17.12.2007

Süße Gentechnik

Versuchsanbau mit Zuckerrüben geplant

Der deutsche Saatgutkonzern KWS will von 2008 bis 2011 an vier Standorten in Norddeutschland genmanipulierte Zuckerrüben anbauen. Die Rüben sind gegen das Totalherbizid Roundup des US-Konzerns Monsanto resistent.

Diese Rübensorte wurde in den 90-er Jahren entwickelt und auch schon im Freiland getestet. Schon im Jahr 2000 haben die KWS und Monsanto den kommerziellen Anbau in der EU beantragt. Für das gentechnikkritische Umweltinstitut München ist deshalb das eigentliche Ziel der Freisetzung, den Anbau genmanipulierter Zuckerrüben in Deutschland und Europa zu ermöglichen. „Die Gen-Rüben der KWS sind eine Provokation für Verbraucher und Landwirte. Umweltschäden und die Steigerung des Pestizideinsatzes sind durch den Einsatz herbizidresistenter Gen-Pflanzen hinreichend dokumentiert. Trotzdem will die KWS diese Relikte einer gescheiterten Technologie auf den Markt bringen“, sagt Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München. Zudem bestehe die Gefahr, dass die manipulierten Zuckerrüben ihr Erbgut in zahlreiche verwandte Kulturpflanzen wie Mangold, Spinat oder Rote Beete einkreuzen.

Das Umweltinstitut hat deshalb dazu aufgerufen, der KWS und Landwirtschaftsminister Seehofer Protestmails zu schicken.

Die KWS-Tochter Planta hatte ihren Antrag bereist Anfang Oktober beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingereicht. Sie will die Zuckerrüben in Dreileben (Sachsen-Anhalt),  Thulendorf (Mecklenburg-Vorpommern),  Höckelheim und  Wetze (Niedersachsen anbauen. „Mit den Versuchen will KWS Daten zum Anbau der Rübe unter heimischen Boden- und Klimabedingungen gewinnen und international angelegte Forschungsbemühungen weiter vorantreiben“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.

Die Gen-Zuckerrübensorte H7-1 ist in den USA, Kanada und Japan zum Anbau freigegeben. In den USA wurde sie in diesem Jahr auf begrenzten Flächen ausgesät. 2008 will die dortige Zuckerindustrie in die kommerzielle Nutzung einsteigen. Verbraucherorganisationen wie OCA (Organic Consumers Association) laufen Sturm dagegen. Mit ersten Erfolgen. Mehrere Süßwarenhersteller drängen die Bauern, auf den Anbau der Gentechnik-Rüben zu verzichten. Die EU dagegen hat US-Genrübenzucker die Tore geöffnet. Die EU-Kommission erlaubte im Oktober die Einfuhr von Zucker und Futtermittel aus H7-1-Zuckerrüben. Über den kommerziellen Anbau hat sie noch nicht entschieden.

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