Nachrichten | 21.12.2007

Neuer Streit um Gen-Mais

Bundesamt für Naturschutz bemängelt Monitoring

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hält den vom Gentechnik-Konzern Monsanto vorgelegten Überwachungsplan für den Gen-Mais MON 810 für unzureichend. Dies geht aus einer internen Stellungnahme des BfN hervor, die die Umweltorganisation Greenpeace veröffentlichte. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat die Ansichten der staatlichen Naturschutzexperten ignoriert. Es erklärte den Monitoringplan für vollständig und erlaubte den Ende April 2007 ausgesetzten Handel mit MON 810 – Saatgut wieder.

Tatsächlich macht der Konzern in den vom BVL veröffentlichten Unterlagen vor allem deutlich, dass seine bereits laufenden Überwachungsmaßnahmen die Anforderungen an das geforderte Monitoring erfüllen. Zusätzlich verspricht er, jährlich die Berichte einiger Netzwerke durchzuschauen, die den Bestand von Wildtieren, Vögeln oder Bienen zu überwachen.

Das BfN hält diesen Plan für unzureichend. „Eine Reduzierung der Allgemeinen Beobachtung auf Fragebögen an die Landwirte und die Auswertung von veröffentlichten Berichten ausgewählter Beobachtungsprogramme wird als nicht ausreichend betrachtet“, lautet das Fazit der Stellungnahme. Mit dem Fragebogen an die Gentechnik-Bauern könnten Auswirkungen auf die Umwelt, nur sehr eingeschränkt erfasst werden. Die Behörde fordert ein fallspezifisches Monitoring. Das soll „als Minimum die Beobachtung von schädlichen Effekten auf Nichtziel-Schmetterlinge und aquatische Organismen (z. B. Köcherfliegenlarven) sowie den Verbleib von Bt-Toxinen im Boden umfassen.“  Die Aussagen von Monsanto, dass Schmetterlinge und Köcherfliegen nicht gefährdet seien, bezeichnete das BfN als „nicht gerechtfertigt“. Die Behörde listete zudem fünf Anforderungen auf, die das BVL selbst in seinem Bescheid Ende April 2007 an das zu erarbeitenden Monitoring gestellt hatte und schreibt dazu. „Diese Prüfpunkte wurden in dem vorliegenden Monitoringplan nach Einschätzung des BfN nicht berücksichtigt.“

Auf die konkreten Vorwürfe des BfN ging das BVL nicht ein. Seehofers Gentechnikbehörde wiederholte, dass das Monitoring vollständig sei, teilte jedoch gleichzeitig mit: „Zur Ergänzung der von der Firma Monsanto im Monitoring gewonnenen Ergebnisse ist vorgesehen, in Abstimmung mit den beteiligten Behörden (unter anderem dem Bundesamt für Naturschutz) eine den Anbau begleitende Untersuchung im Rahmen der Ressortforschung des Bundeslandwirtschaftsministeriums zu initiieren. Unter realen Anbaubedingungen sollen dabei die Umweltwirkungen von MON 810 dokumentiert werden.“

Der Kommentar von Greenpeace-Gentechnikexpertin Ulrike Brendel: „Seehofer hat die Einwände der Fachbehörde schlicht ignoriert und handelt völlig widersprüchlich. Im April schränkt er den Anbau von Gen-Mais ein, jetzt akzeptiert er einen lächerlichen Überwachungsplan und genehmigt den Anbau. Er muss sich entscheiden, ob er die Interessen der Verbraucher und der Umwelt oder die der Gentechnik-Firmen vertreten will.“
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