Nachrichten | 7.1.2008

Gentechnik-Proteste

Viel Action im neuen Jahr

2008 begann mit Protesten gegen Gentechnik in der Landwirtschaft mit einer Kletteraktion vor der Zulassungsbehörde BVL. In den nächsten Tagen sollen weitere Aktionen folgen. Nicht jede schafft es in die Zeitung.

Am Neujahrstag mittags kletterten Aktivisten an der Fassade des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin empor. Sie entspannten ein Transparent mit der Aufschrift "2008 wird gentechnikfrei - so oder so". Ein gleichlautendes Transparent hing vom Turm des AgroBiotechnikum in Groß-Lüsewitz bei Rostock, einem bekannten Gentechnik-Versuchsstandort.

Von 4. bis 15. Januar tourt der kanadische Farmer Percy Schmeiser durch Deutschland. Er ist durch seinen Widerstand gegen den Gentechnik-Konzern Monsanto berühmt und erhielt im Dezember den alternativen Nobelpreis. Einer der Höhepunkt der Tournee ist eine Demonstration am Mittwoch, den 9. Januar in München. Dort stehen an diesem Tag Aktivisten der Initiative Gendreck weg wegen „Aufruf zu Straftaten“ vor Gericht. Bereits zwei Tage vorher verhandelt das Amtsgericht im schwäbischen Nürtingen gegen einen Bioimker, der nach vorheriger, öffentlicher Ankündigung drei Genmaispflanzen von einem Versuchsfeld der Fachhochschule Nürtigen zerstört hatte. Beide Verfahren wird Percy Schmeiser aus Solidarität besuchen.

Die Internetaktivisten von Campact haben für Ihre Plakataktion vor dem Bundestag die zehn besten Sprüche ausgewählt. Sieger wurde der Satz: „Über 70% der Deutschen lehnen grüne Gentechnik ab. Sind Sie Volksvertreter?“ Ebenfalls in den Top ten: „Mit Essen spielt man nicht“. Ab dem 11. Januar, rechtzeitig zur Sitzung des Bundestags-Landwirtschafts-Ausschusses in Sachen Gentechnik, platziert Campact die Sprüche auf bis zu 100 Plakatwänden rund um den Bundestag.

Einige Gentechnik-Gegner verteilten in Berlin-Weißensee ein Schreiben, das aussah wie ein Brief der örtlichen Filiale des Discounters Plus. Darin hieß es, die Plus-Gruppe wolle alle Produkte, die gentechnisch verändert seien, aus dem Sortiment nehmen und würde diese kostenlos abgeben. Beispielhaft aufgelistet waren Marken von Lebensmittelherstellern, die Milch von gentechnik-gefütterten Kühen einsetzen wie Smarties, Nutella, Milka oder Müller Milch. Die Nachfrage in der Filiale in der Berliner Allee in Weißensee sei groß gewesen, berichtete der Nachrichtendienst Indymedia.
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