Nachrichten | 4.2.2008

Demeter schlägt Alarm

Neuer Genweizen-Anbau geplant.

In Groß-Lüsewitz bei Rostock und in Üplingen in Sachsen-Anhalt sind Versuchsfelder mit gentechnisch verändertem Weizen geplant. Der Weizen wurde so manipuliert, dass er widerstandsfähiger gegen eine Pilzkrankheit, den Weizenflugbrand, ist. Beantragt hat den Versuch das Unternehmen Biovativ. Genehmigen muss den Anbau das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Es untersteht Landwirtschaftsminister Horst Seehofer.

Der Demeter-Verband hat auf den geplanten Versuchsanbau aufmerksam gemacht und Minister Seehofer aufgefordert, ihn zu verhindern. „Eine Resistenz gegen Flugbrand gentechnisch zu etablieren ist bei den enormen Kosten, der hohen Bedenklichkeit gegenüber gentechnischen Verfahren in der Pflanzenzüchtung sowie der grundsätzlichen Ablehnung von GVO in der Bevölkerung überflüssig, wenn nicht unsinnig“, argumentieren die beiden renommierten Demeter-Getreidezüchter Karl-Josef Müller und Hartmut Spieß. Es gebe bereits eine große Anzahl zugelassener herkömmlicher Sorten und einige ökologisch gezüchtete, die über eine Flugbrandresistenz verfügen. Dass Gentech-Züchter die nicht kennen, sei kaum vorstellbar, meinen die Fachleute. Für konventionelle Landwirte spiele die angeblich so gefürchtete Pilzerkrankung ohnehin keine Rolle. Ihr Saatgut werde stets chemisch gebeizt, was den Pilzbefall sicher verhindere. Die Behauptung der Freisetzungs-Antragsteller, Weizenflugbrand sei eine der am weitesten verbreiteten Getreidekrankheiten, entbehre also jeder Grundlage. Den Bio-Bauern stünden ausreichend flugbrandresistente Weizensorten zur Verfügung, die entsprechend den Vorschriften für ökologische Landwirtschaft ohne gentechnische Manipulation gezüchtet worden sind.

Im November 2006 hatte das BVL trotz 30.000 Einwendungen erstmals eine Freisetzung von genmanipuliertem Weizen in Deutschland genehmigt.
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