Nachrichten | 10.3.2008

Aktion

Rock gegen Genfood

Von 22. bis 24. August lädt die bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall zu einem großen Open-Air-Festival ein: Rock for Nature – Mit Rock und Pop gegen die grüne Gentechnik. Die Sängerin Nena ist schon engagiert, die Scorpions sind dabei und Wir sind Helden. Mit Joe Cocker ist ein Vorvertrag unterschrieben und der Ticketvorverkauf läuft. „Jetzt wollen wir mal richtig die Sau rauslassen“, sagt Rudolf Bühler, der Gründer und Vorsitzende der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. Die ökologisch ausgerichtete Gruppe von knapp tausend hohenlohischen Landwirten will in Wolpertshausen (Kreis Schwäbisch Hall) direkt neben der Autobahn A6 unter dem Namen "Rock for Nature" ein Benefiz-Open-Air-Konzert für eine gentechnikfreie Landwirtschaft veranstalten, mit internationalen und nationalen Topgruppen. Es soll "an die Tradition von Woodstock anschließen", wünschen sich die Veranstalter.

Bisher hat sich die 1988 von acht Bauern gegründete Erzeugergemeinschaft eigentlich nur um die Züchtung und Vermarktung des Schwäbisch-Hällischen Landschweins und der Mastrinder mit dem berühmten Markennamen ‚Boeuf de Hohenlohe’ gekümmert. Die Wiederbelebung der beiden vom Aussterben bedrohten Tierrassen hat sich gelohnt. Inzwischen macht die Gemeinschaft mit Fleisch- und Wurstwaren einen Jahresumsatz von achtzig Millionen Euro. „Aber uns geht es auch um die Bewahrung der Schöpfung, den Zugang freier Bauern zu den natürlichen Ressourcen und darum, ein Zeichen gegen die Gentechnik zu setzen2, begründet der 55-jährige Landwirt und Agraringenieur Bühler die Idee, den zwanzigsten Geburtstag der Züchtergruppe mit fetzigem Rock und Pop und möglichst vielen Gästen zu feiern.

Das sei „eine granatenmäßige Riesenherausforderung“, gesteht der Eventmanager Dieter Link, der die Organisation des geplanten Festivals übernommen hat. „Wir rechnen mit bis zu 20.000 Leuten pro Tag, und damit wird es eines der größten Festivals in Deutschland überhaupt sein.“ Auf einer tausend Quadratmeter großen Hauptbühne sollen die Stars auftreten. Rund dreißig weitere Bands werden sich drei weitere Bühnen teilen. Hinzu kommen ein Zeltplatz mit Versorgungszelten für 10.000 Übernachtungsgäste und Parkplätze für 10.000 Autos, alles umrahmt von einem sechs Kilometer langen Bauzaun. Insgesamt umfasst das vorgesehene Festivalgelände an der Autobahnausfahrt Ilshofen/Wolpertshausen rund 300000 Quadratmeter Ackerfläche, die Rudolf Bühler gehören und die er kostenlos zur Verfügung stellt. „Wir wollen an der Sache nichts verdienen“, sagt Bühler und begründet damit auch den niedrigen Ticketpreis von 88 Euro für die gesamten drei Tage. Darin enthalten sind Gebühren fürs Parken und Zelten sowie fünf Euro von jeder Karte für landlose indische Bauern, die durch Gentechnik verarmt sind.

Es solle ein „sympathisches Festival auf einem Ökoweizenfeld“ werden, sagt Bühler, der für Verluste persönlich haftet. „Aber wir schreiben schon eine schwarze Null, wenn auch nur 20.000 Leute kommen.“ Als Partner mit im Boot sind die Organisationen Greenpeace und Slow Food, der Weltbioverband Ifoam, der Südwestrundfunk und die Umweltstiftung Nature Life International. Die lässt ihre Verbindungen zur Lufthansa und zu Daimler spielen, damit die Künstler bequem ins Hohenlohische gebracht werden können.

powered by