Nachrichten | 27.3.2008

Percy Schmeiser gewinnt

Monsanto muss erstmals für Verunreinigung zahlen

In einer außergerichtlichen Einigung mit dem kanadischen Farmer Percy Schmeiser hat der Gentechnik-Konzern Monsanto die Verantwortung für die gentechnische Kontamination von Schmeisers Rapsfeldern eingeräumt. Monsanto bezahlte den Schaden und musste akzeptieren, dass Schmeiser über die genauen Hintergründe des Falls öffentlich berichtet und Stellung bezieht. Nach Ansicht des Farmers ist damit für betroffene Bauern auf der ganzen Welt der Weg für Schadenersatzforderungen an Monsanto geöffnet.

Für Deutschland seien allerdings keine direkten Auswirkungen zu erwarten, sagte Heike Moldenhauer, Gentechnik-Expertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz der taz: „Hierzulande haften für Verunreinigungen nicht die Hersteller des Saatguts, sondern die Landwirte, von deren Feldern er stammt.“ Dennoch sei das Urteil „ein wichtiges Signal an Monsanto.“

Bereits 1998 hatte Gen-Raps von Monsanto den Raps und das Saatgut der Schmeisers verunreinigt. Es begann eine juristische Auseinandersetzung, die Percy Schmeiser auf seiner Homepage als den „klassischen Aufstand Davids gegen Goliath" bezeichnet. Der Kampf machte den Bauern zu einem der bekanntesten Gesichter der weltweiten Anti-Gentechnik-Bewegung und brachte ihm und seiner Frau Louise im vergangenen Jahr den alternativen Nobelpreis.

Die erste Runde des Streits ging an Monsanto: Der Oberste Gerichtshof Kanadas entschied, dass der Konzern Eigentümer von Rapspflanzen mit dem vom ihm manipulierten Erbgut sei. Als Inhaber des Patents gehörten dem Konzern auch verunreinigte Ernten wie die der Schmeisers, sofern dafür keine Lizenzgebühren gezahlt worden waren.

Im Jahr 2005 fand Schmeiser erneut Monsanto-Rapspflanzen auf seinen Feldern. Er benachrichtigte Monsanto und verlangte, dass der Konzern die Pflanzen entferne. Monsanto bestätigte Schmeiser gegenüber schriftlich, dass es sich um Roundup Ready Raps handle und dieser Eigentum von Monsanto sei. Schmeiser berief sich auf das bestehende Urteil und argumentierte, dass der Besitzer einer Pflanze auch für die Schäden haftbar gemacht werden müsse, die durch Kontamination verursacht wurden. Er ließ die Pflanzen professionell entfernen und schickte dem Konzern die Rechnung.

Der Konzern wollte die Rechnung über 660 kanadische Dollar nur unter einer Auflage zahlen: Schmeisers sollten eine Schweigevereinbarung unterzeichnen und den Konzern nie wieder wegen Kontamination ihrer Ernte in Zukunft vor Gericht belangen. Schmeiser lehnte ab und zog vor Gericht. Eine Stunde vor Gerichtsverhandlung akzeptierte Monsanto schließlich sämtliche Forderungen Percy Schmeisers

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