Nachrichten | 27.3.2008

Noch vier Wochen bis zur Aussaat

Die Gen-Maisproteste wachsen

Ende April wollen Bauern auf derzeit 4.300 Hektar den Gen-Mais MON 810 von Monsanto aussäen. Bio- und Umweltverbände forderten Landwirtschaftsminister Horst Seehofer auf, einen Anbaustopp für MON 810 zu erlassen. Auch die SPD verlangte ein Anbauverbot.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rief Seehofer auf, wie schon Österreich, Griechenland, Ungarn, Polen und Frankreich müsse auch Deutschland die existierende EU-Schutzklausel gegen den Anbau des Gentech-Maises geltend machen. Die Genehmigung, in Deutschland weiterhin MON 810-Saatgut verkaufen zu dürfen, habe Monsanto Ende 2007 nur unter der Bedingung erhalten, dass es einen geeigneten Monitoringplan vorlege, der die Umweltauswirkungen des Gentech-Maises erfasse. Der vorgelegte Plan erfüllt jedoch laut einer vom BUND in Auftrag gegebenen Rechtsexpertise nicht die erforderlichen Kriterien. Die Aussaat von MON 810 sei deshalb rechtswidrig. Es sei ein Skandal, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Angaben von Monsanto nicht auf ihre Stichhaltigkeit überprüft habe, schimpfte BUND-Vorsitzender Hubert Weiger. Ein weiterer Skandal sei, dass Bundesagrarminister Horst Seehofer zu diesem Vorgang schweige.

Das BVL weist die Vorwürfe von sich: „Auf der Grundlage des geltenden EU-Rechtes ist der Antragsteller für die Umsetzung des Monitoringplans verantwortlich und die Bewertung dazu erfolgt auf EU-Ebene,“ heißt es in einem Schreiben der Behörde.

Für die Bundestags-SPD forderte deren Abgeordnete Elvira Drobinski-WeißDer Anbau muss untersagt werden“. In einer Mitteilung der SPD-Fraktion heißt es: „Der von Monsanto vorgelegte Monitoringplan ist nicht geeignet, für eine aussagekräftige und auswertbare Beobachtung der Umweltauswirkungen zu sorgen. Der Anbau von Mon810 muss deshalb ausgesetzt werden. Das entspricht dem Vorsorgeprinzip. Der Anbaustopp muss noch vor der Aussaat erfolgen.“ Dennoch lehnte die SPD einen entsprechenden Bundestagsantrag der Grünen ab.

Vor Ort informieren zahlreiche Initiativen über den geplanten Anbau und organisieren den Protest: Zum Beispiel am 5. April in Gießen, im unterfränkischen Landkreis Kitzingen oder in Brandenburg. Bundesweit ruft die Aktion Bantam-Mais dazu auf, mit dem Anbau von samenfestem gentechnikfreien Süßmais ein Zeichen gegen Gen-Mais zu setzen. Der Protest zeigt Wirkung. Einige Bauern haben bereits ihre Anmeldung der Gentechnik-Felder im Standortregister wieder zurückgezogen.

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