Nachrichten | 2.4.2008

Gen-Verunreinigungen

Agrarkommissarin fordert mehr Toleranz

EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel will Futtermittel-Importe tolerieren, die mit geringen Mengen an nicht in der EU zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen (GVO) verunreinigt sind. Dies sagte sie bei einem Treffen mit den EU-Agrarministern im Rahmen einer Debatte über die hohen Preise für Futtermittel. Bisher gilt in der EU eine Nulltoleranz. Finden sich in einer Schiffsladung Mais oder Soja Spuren eines nicht zugelassenen GVO, darf die ganze Ladung nicht an Land.

Zugleich drängte die Kommissarin in der Debatte darauf, das Zulassungsverfahren für GVO zu beschleunigen, berichtete der Agrarpressedienst Agra-Europe. Sowohl die Nulltoleranz als auch die Verzögerungen im Genehmigungsverfahren würden zu einem Anstieg der Futtermittelpreise beitragen. Zahlreiche neue genmanipulierte Soja- und Maissorten werden in den USA oder Südamerika schon angebaut, sind aber in der EU immer noch im Zulassungsverfahren und nicht endgültig freigegeben. Bis dahin dürfen sie nicht eingeführt werden. Verunreinigen sie andere Lieferungen, müssen diese wegen der Nulltoleranz ebenfalls draußen bleiben.

Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE kommentierte den Vorstoß der EU-Kommissarin als „Unterwerfung unter die amerikanische Gentech-Doktrin“. „Nicht zugelassene Gen-Pflanzen dürfen nicht auf dem Teller landen –auch nicht nur ein bisschen. Die Nulltoleranz ist nicht verhandelbar“, erklärte sie.

So schnell wird sich innerhalb der EU voraussichtlich nichts verändern. Die Kommission werde bis zum Sommer weder über die Zulassung der genmanipulierten Kartoffel Amflora von BASF entscheiden noch andere Beschlüsse im Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) treffen, meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus Brüssel. Der für die Genehmigungen zuständige Umwelt-Kommissar Stavros Dimas wolle zunächst den Ausgang einer Grundsatzdebatte über den Umgang mit GVO abwarten, die die Kommission auf Initiative des Präsidenten José Manuel Barroso führen will. Dessen Sprecher bestritt, dass die Genehmigungen von GVO momentan auf Eis lägen. Es gebe keinen Beschluss, konkrete Entscheidungen zu vertagen.

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