Nachrichten | 14.4.2008

Morgellons Disease

Kann Gentechnik doch krank machen?

Eine in den USA vor einigen Jahren aufgetauchte seltene Hautkrankheit könnte gentechnisch veränderter Nahrung als Ursache haben. Doch niemand forscht ernsthaft nach.

Morgellons Disease heißt ein Krankheitsbild, das in den USA erstmals 2002 beschrieben wurde und an dem nach Angaben der Morgellons Research Foundation mindestens 12.000 Menschen leiden. Die wichtigsten Symptome sind stark juckende kleine Hautwunden, durch die der Körper auffällige Zellulosefasern ausscheidet.

Es gibt bisher keine befriedigende Erklärung für diese Krankheit und für das Auftauchen der Fasern. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC nimmt nach Jahren des Abwiegelns das Krankheitsbild inzwischen ernst und hat Anfang des Jahres ein umfangreiches Untersuchungsprogramm gestartet. Außen vor bleibt dabei die Frage, ob womöglich genmanipulierte Nahrungsmittel eine Rolle spielen.

Dieser Verdacht tauchte auf, weil der israelische Mikrobiologieprofessor Vitaly Citovsky Proben aus den Wunden vom Morgellon-Patienten untersucht hatte und dabei auf einen Erreger namens „Agrobacterium“ stieß, den er seit Jahren intensiv erforscht. Das Bodenbakterium kommt ansonsten im Menschen nicht vor. Aber es wird standardmäßig bei der Produktion genmanipulierter Pflanzen eingesetzt, um fremdes Erbgut in Pflanzen einzuschleusen. Gentechnikkritische Wissenschaftler wie Mae-Wan Ho and Joe Cummins vom Institute of Science in Society weisen darauf hin, dass ein Agrobacterium im Reagenzglas manipuliertes Erbgut in eine menschliche Zelle übertragen kann. Ob dieser im Labor beobachtete Effekt im wirklichen Leben eine Rolle spielen könnte, ist offen.

Auch Vitaly Citovsky stellte klar, dass seine Beobachtungen nicht bedeuten, dass Agrobacterium die Krankheit verursacht oder es sich bei Morgellon um eine Infektion handele. Aber die Ergebnisse seien Anlass genug, weitere Studien durchzuführen, um mehr statistisch aussagefähige Daten zu bekommen. Erforscht werden müsse auch, ob das Bakterium in der befallenen Haut genetische Veränderungen hervorgerufen hat. Ein erster Hinweis kam von einem US-Gentechniklabor, das in den Fasern Pilz-DNA entdeckt haben will.

Bisher gehen keine Studien dem Verdacht nach, dass gentechnisch manipuliertes Erbgut aus Pflanzen menschliche Zellen dazu bringt, Fasern zu produzieren. Das klingt zu arg nach Science Fiction. Hinzu kommt, dass Morgellons Disease zahllose Verschwörungstheoretiker angelockt hat, die die Krankheit abwechselnd mit Nanorobotern, außerirdischen Erregern oder heimlich von Flugzeugen versprühten Giften (ChemTrails) in Verbindung bringen. Die These, dass hinter Morgellons Disease möglicherweise ein horizontaler Gentransfer steckt, passt gut ins Weltbild von Menschen, die in der Grünen Gentechnik eine Verschwörung des Weltjudentums, der Illuminati oder der Freimaurer sehen. Das macht es Gentechnikbefürwortern noch leichter, die These ins Lächerliche zu ziehen anstatt sie zu überprüfen.

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