Nachrichten | 28.4.2008

Gen-Filz

Umweltinstitut analysiert Gentechnik-Biotope

In Mecklenburg-Vorpommern sind Lobby-Organisationen, Gentechnikfirmen und Universität eng verflochten. An den Knotenpunkten des Netzes sitzen einige Entscheidungsträger, die mehrfach profitieren. Das Umweltinstitut München hat jetzt die Struktur dieses Netzwerkes aufgezeigt.

Wichtige Knotenpunkte in diesem Geflecht sind der Gentechnik-PR-Verein FINAB, sein kommerzieller Arm, das Unternehmen Biovativ GmbH, der Projektverbund BioOK sowie das AgroBioTechnikum in Groß Lüsewitz bei Rostock. In jedem dieser Knotenpunkt und weit darüber hinaus ist die Rostocker Professorin Inge Broer aktiv. Das Umweltinstitut schreibt zu ihren Tätigkeiten: „Sie ist in ihrer Eigenschaft als Professorin einer öffentlichen Hochschule Anmelderin von gentechnischen Freisetzungen und sitzt gleichzeitig im Gentechnik-Gremium des Bundesinstituts für Risikobewertung, das an der Genehmigung solcher Versuche beteiligt ist. Sie ist als Mitglied des europäischen Forschungsrates in die Forschungsförderung eingebunden und finanziell an Firmen wie der biovativ GmbH beteiligt, die an der Kommerzialisierung von Gen-Pflanzen verdienen wollen. Prof. Broer ist zudem z.B. als Expertin bei der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) tätig, die die Unbedenklichkeit gentechnisch veränderter Pflanzen prüfen soll.“ Eine laut Umweltinstitut „enge Mitarbeiterin der Professorin“ fungiert als Schatzmeisterin von FINAB sowie als Geschäftsführerin mehrerer Firmen, die vom Versuchsanbau profitieren.

Am Beispiel von Freisetzungsversuchen, die überwiegend mit öffentlichen Geldern finanziert werden, zeigen die Münchner Gentechnik-Kritiker auf, welche Beteiligten mit ihren Firmen davon profitieren und wie die staatlichen (Kontroll)-Behörden in das Netzwerk eingebunden sind.

„Offenbar dienen in Mecklenburg-Vorpommern gentechnische Freisetzungsversuche und öffentliche Forschungsgelder dazu, entweder die eigene Firma mit Aufträgen zu bedienen oder ausgewiesene Gentechnik-Lobbyisten und deren Privatfirmen zu versorgen“, lautet das Fazit des Umweltinstituts. „Hier werden offenbar öffentliche Gelder in Hände geleitet, die nicht öffentlichen Interessen dienen.“

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