Nachrichten | 13.5.2008

Genmanipulierte Tiere

Eklatanter Mangel an Risikoforschung

Die Entwicklung genmanipulierter Nutztiere ist weitfortgeschritten. Erste kommerzielle Anwendungen stehen bevor. Die Risikoforschung hinkt dem weit hinterher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des österreichischen Gesundheitsministeriums.

Wichtigste Ziele der Genmanipulation bei Tieren sind schnelleres Wachstum, bessere Futterverwertung sowie die Produktion von Medikamenten, das so genannte Gene-Pharming. Am weitesten fortgeschritten ist die Entwicklung bei Fischen. Ein transgener Lachs mit einem zusätzlichen Wachstumshormon befindet sich in den USA seit Jahren im Zulassungsverfahren. „Die Zulassung könnte eventuell in der 2. Hälfte 2008 erfolgen“, heißt es in der Studie aus Österreich. Marktreif seien auch ein in Australien entwickelte Schweine mit zusätzlichen Wachstumshormonen. „Ihre Vermarktung wird aber wegen fehlender Akzeptanz in der Bevölkerung aufgeschoben.“ Weniger Akzeptanzprobleme dürfte es mit transgenen Schweinen aus Kanada geben, die Phosphor im Futter besser verwerten. In den USA bauen Forscher gerade eine Herde auf, deren Tiere Fett mit mehr ungesättigten Fettsäuren produzieren.

Bei Medikamenten, die von Tieren für Menschen produziert werden, handelt es sich meist um Proteine, die sich durch die Genmanipulation in Milch, Blut oder Eiern der Tiere anreichern. Die europäische Arzneimittelbehörde EMEA hat kürzlich das aus Gen-Ziegenmilch gewonnene Anti-Thrombin III zugelassen. Es verhindert die Bildung von Blutgerinnseln und wird bei Patienten eingesetzt, die an einem erblich bedingten Mangel dieses Proteins leiden. Zahlreiche andere Wirkstoffe werden bereits in klinischen Studien erprobt, heißt es in der Studie. Wichtige Anwendungsgebiete seien Krebsbekämpfung, Immunerkrankungen, Blutgerinnung und Infektionen.

Neben diesem Überblick über den Stand der Forschung beschäftigt sich die Studie „Transgene Tiere - Status-quo bezüglich Risikoabschätzung und Stand der Forschung“ mit der Risikobewertung. „Insgesamt ist im Vergleich zum Ausmaß der laufenden Forschung ein eklatanter Mangel an Veröffentlichungen oder Studien zu Risiken im Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Tieren festzustellen“ fassen die Autorinnen ihre Ergebnisse zusammen. Auch die einschlägigen Organisationen und Behörden hätten sich bisher kaum mit dem Thema befasst. Dabei müsse man davon ausgehen, „dass gentechnisch veränderte Tiere bzw. deren Produkte – jedenfalls im Bereich des Gene-Pharming, bei Fischen und eventuell Schweinen im Lebensmittelbereich sowie bei Haustieren - innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Thema für Regelungs- und Zulassungsbehörden sein werden.“

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