Nachrichten | 9.6.2008

Gen-Mais:

Ein Pollen macht den Honig unverkäuflich

Das Verwaltungsgericht Augsburg hat festgestellt, dass Honig, der Blütenpollen des gentechnisch veränderten Mais MON 810 enthält, nicht verkehrsfähig ist. Bereits geringste Spuren der Blütenpollen machen den Honig unverkäuflich, da der Gen-Mais keine Zulassung als Lebensmittel hat.

Mit dieser Entscheidung gaben die Richter im Hauptsacheverfahren der Argumentation des Kaisheimer Imkers Karl-Heinz Bablok recht, der gegen ein staatliches Gen-Maisfeld in der Nähe seines Bienenstandes geklagt hatte. Sie stellten auch fest, dass der Anbau eine wesentliche Beeinträchtigung des Imkers darstellt. Allerdings hat Bablok nach Ansicht der Richter dennoch keinen Schutzanspruch gegenüber dem Anbau.

Der Imker wollte vom Gericht den Freistaat dazu verpflichten lassen, dass er den Mais vor der Blüte erntet oder die Pollenfahnen abschneidet. So hätte sich der Eintrag von genmanipulierten Pollen in den Honig wirkungsvoll verhindern lassen. Nach Abwägung der Verhältnismäßigkeit kam das Gericht zu dem Urteil, dass es Bablok zuzumuten sei, während der Blütezeit seinen Bienen an einen anderen Standort zu bringen. Richterin Evelyn Leder gestand dem Imker zu, dass ihn eine Ausweitung des Gen-Maisanbaus vor ein unlösbares Problem stellen würde. Das Urteil sei jedoch nur für diesen Einzelfall im Jahr 2008 gefällt. Das Gericht wies darauf hin, dass der Imker sowohl für den Aufwand des Umzugs als auch für eventuelle Verunreinigungen zivilrechtliche Schadensersatzansprüche gegenüber dem Anbauer geltend machen könne.

“Wenn der Gesetzgeber weiterhin keine Maßnahmen zum Schutz der Imkerei trifft, wird die Ausweitung des Gen-Maisanbaus zu bienenleeren Landschaften führen. Ein Bestäubungsnotstand bei Obst oder anderen Nutzpflanzen und eine Artenverarmung bei Wildpflanzen wird die Folge sein. Es ist unbegreiflich, dass der Staat schamlos den multinationalen Saatgutkonzern Monsanto stützt, jedoch die heimischen Imker, Bauern und Verbraucher im Stich lässt und fundamentale Naturschutzinteressen opfert“, kommentierte Karl-Heinz Bablok die Entscheidung.

Zusammen mit dem Erwerbsimkerbund, Bio-Verbänden und dem Verein Mellifera will er weiter für die Rechte der Imker kämpfen. Das Bündnis, das bereits 70 000 Euro in den Prozess investiert hat, will in Berufung gehen und notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof klagen.

Mehr Informationen unter www.bienen-gentechnik.de

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