Nachrichten | 25.6.2008

Saatgut-Lizenzen

Bauern wollen Recht auf Nachbau

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit streiten Bauern und Pflanzenzüchtern seit Jahren um das Recht auf Nachbau. Die Bauern wollen aus ihrer Ernte Samen zurückbehalten und im nächsten Jahr aussähen, so wie sie es seit Tausenden von Jahren machen. Die Pflanzenzüchter wollen für diese neuerliche Aussaat Geld. Schließlich haben sie die Sorten gezüchtet. Die Lizenzgebühr, die der Bauer beim Kauf des Saatgutes mitzahlt, gilt aber nur für eine Ernte, nicht für den Nachbau. Dabei geht es nicht um gentechnisch veränderte Pflanzen, die sowieso Patentschutz haben, sondern um konventionell gezüchtete Sorten.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und die Interessengemeinschaft gegen die Nachbaugesetze und Nachbaugebühren (IG Nachbau) kämpfen seit fast zehn Jahren für das Recht auf freien Saatgut-Nachbau, das bis 1997 bestand. Sie werfen den Pflanzenzüchtern vor, durch ihre damals gegründete Saatgut-Treuhandverwaltung die Bauern systematisch auszuforschen und juristisch unter Druck zu setzen, wenn sie die gewünschten Auskünfte über An- und Nachbau von Ackerfrüchten verweigern. Nach Angaben der AbL sind es bereits über 25.000 Landwirte, die keine Angaben mehr machen und damit auch keine Saatgut-Nachbaugebühren zahlen.

Statt diese Bauern juristisch zu verfolgen, sollten die Pflanzenzüchter sich der öffentliche Diskussion um die Saatgutforschung stellen, fordert der AbL-Vorsitzende Georg Janssen. „Wir als Bauernorganisation haben kein Interesse daran, dass Nachbaugelder für die Saatgut-Treuhandverwaltung und für die Risikotechnologie Gentechnik versenkt werden. Vielmehr sollten Züchter, Bauernorganisationen und Verbraucherverbände sowie die Bundesregierung über ein unabhängiges Fonds- oder Stiftungsmodell für eine nachhaltige, gentechnikfreie Saatgutforschung nachdenken und praktische Vorschläge ausarbeiten“.
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