Nachrichten | 22.7.2008

Studie zeigt:

Koexistenz bei Mais klappt nicht

Der zunehmende Anbau von Gen-Mais in Spanien hat zum Rückzug der Bio-Maisbauern aus den betroffenen Regionen geführt. Diese Entwicklung haben Wissenschaftler der Universität von Barcelona nachvollzogen. Es ist die erste Feldstudie, die konkret nachweist, dass die von der EU immer behauptete Koexistenz beider Anbauformen in der Praxis nicht funktioniert.

Spanien ist das einzige EU-Land, das in großen Mengen Gentech-Mais anbaut. In den beiden Provinzen Katalonien und Aragon stiegt der Genmais-Anteil seit der Einführung 1998 auf 23.000 beziehungsweise 35.900 Hektar in 2007. Das entspricht 55 und 42 Prozent der jeweiligen Mais-Anbaufläche. Parallel dazu ging der Anbau von Bio-Mais in Aragon von 2004 bis 2007 um 75 Prozent zurück. In Katalonien lag der Rückgang für die Jahre 2002 bis 2005 bei fünf Prozent. Daten aus den darauffolgenden Jahren lagen des Wissenschaftlern nicht vor. Allerdings bestätigten Öko-Kontrollstellen den Trend weg vom Bio-Mais.

Die Datenauswertung ergänzte die Wissenschaftlerin Rosa Binimelis um 50 ausführliche Interviews mit Bauern und Vertretern verschiedenster Organisationen. Dabei zeigte sich, dass es keine Struktur gab, um Gen-Mais und gentechnikfreien Mais wirkungsvoll zu trennen. Der wichtigste Grund dafür: Die Maisproduktion wird vom Saatgut bis zum Verkauf von großen Kooperativen organisiert, von denen die wenigsten an einer Trennung interessiert waren. Die Studie zeigte auch auf, welche Schwierigkeiten Bio-Bauern hatten, wenn sie versuchten, technische Vorkehrungen gegen Verunreinigungen durchzusetzen oder Entschädigung für verunreinigte Ernten verlangten. Zahlreiche Bauern hätten keinen Schadensersatz verlangt, aus Angst vor sozialen Konfrontationen in den kleinen Dörfern. Dass Verunreinigungen in relevanten Konzentrationen ständig vorkommen, hatte Greenpeace zusammen mit dem katalanischen Bauernverband Assemblea Pagesa de Catalunya bereits 2006 in einer Studie nachgewiesen. Als Fazit schreibt Rosa Binimelis, dass in den beiden Regionen „das Konzept der Koexistenz und seine Umsetzung die bestehenden Probleme nicht gelöst und zusätzlich neue Konflikte geschaffen hätten.

Die Untersuchung von Rosa Binimelis entstand im Rahmen des EU-Forschungsprojekts ALARM und erschien im renommierten Journal of Agricultural and Environmental Ethics.

powered by