Nachrichten | 20.8.2008

Königliches Urteil

Prinz Charles verdammt die grüne Gentechnik

Der britische Thronfolger Prinz Charles hat mit scharfen Worten vor dem Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft gewarnt. Dem Daily Telegraph sagte er, die multinationalen Konzerne betrieben „ein gigantisches Experiment mit der Natur und der ganzen Menschheit, das völlig schiefgegangen ist.“ Die Abhängigkeit von solchen „gigantischen Gesellschaften“ werde in einem „absoluten Desaster“ enden, warnte Prinz Charles.

Der als Öko-Landwirt bekannte Prinz wies vor allem auf die Folgen für Kleinbauern in Entwicklungsländern hin. Sie wären seiner Meinung nach die Opfer, wenn die großen Konzerne die Lebensmittelproduktion übernehmen würden: Millionen von Kleinbauern auf der ganzen Welt würden von ihrem Land verjagt und müssten in den schrecklichen Slums der Städte ums Überleben kämpfen. „Das wäre die totale Zerstörung von allem.“. Auf die Frage, ob er denn die Uhr zurückdrehen wolle, antwortete er: „Nein, es geht nicht rückwärts. Wir haben lange genug gegen die Natur gearbeitet.“ Wer die natürlichen Zusammenhänge missachte, schaffen unzählige Probleme, die nur mit hohem Aufwand und viel Geld zu lösen seien.

Mit seinem Interview, das auf der Titelseite der angesehenen britischen Zeitung erschien, stellte sich der Prinz gegen die offizielle Politik der britischen Labour-Regierung. Die hat seit 2000 54 Anbauversuche genehmigt. Entsprechend zurückhaltend reagierte das Landwirtschaftsministerium. „Wir haben stets gesagt, dass die Debatte über die künftige Rolle gentechnisch modifizierter Pflanzen wichtig ist, und wir begrüßen alle Meinungsäußerungen in dieser Debatte", sagte eine Sprecherin.
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