Nachrichten | 20.8.2008

Nulltoleranz bei Futtermittel

Verbände appellieren an Abgeordnete

Zahlreiche Bio- und Umweltverbände haben in einem Brief an die Bundestagsabgeordneten appelliert, Verunreinigungen mit nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auch weiterhin konsequent zu verbieten. Hintergrund des Schreibens sind Bestrebungen der EU, künftig Verunreinigungen mit solchen GVO durch die Hintertür zu erlauben. Bisher gilt bei Verunreinigungen mit manipuliertem Erbgut, das in der EU noch nicht zugelassen ist, eine Nulltoleranz.

In den USA wird im kommenden Jahr eine neue Generation genmanipulierter Sojapbohnen angebaut, die bisher keine EU-Zulassung hat. Fänden Kontrolleure in einer Ladung Soja das neuen Genkonstrukt als Verunreinigung, würde die ganze Ladung zurückgeschickt. Angesichts der angespannten Lage auf dem Futtermittelmarkt fordert die Agrarindustrie schon lange, solche Verunreinigungen zu tolerieren, und warnt vor Preisexplosionen und Futtermittelknappheit.

„Es besteht keinerlei Zusammenhang zwischen hohen Futtermittelpreisen und einer angeblich zu restriktiven Gentechnik-Politik in der EU“, heißt es dagegen in dem Schreiben der Verbände an die Abgeordnetem. Die Futtermittelpreise seien auch in den Hauptanbauländern gentechnisch veränderter Pflanzen in die Höhe geschossen. Die hohen Preise würden von der Gentechnik-Lobby als Argument missbraucht, um schnellere und damit unsichere Zulassungsverfahren durchzusetzen.

Eine Nulltoleranz bei in der EU nicht zugelassenen GVO sei aufgrund des Vorsorgeprinzips geboten: „GVO sind lebende Organismen. Als solche können sie sich unkontrolliert vermehren und ausbreiten. Sie können weder aus der Natur noch aus der Lebensmittelkette zurückgeholt werden“, argumentieren die Verbände. Sie verweisen darauf, dass die Haftung in solchen Verunreinigungsfällen, etwa beim Bayer-Genreis LL601) bisher ungeklärt sei. Hier müssten die Hersteller der GVO haften.

Hintergrundpapier zum Thema Nulltoleranz

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