Nachrichten | 25.8.2008

Gen-Mais

Neun Fälle von verunreinigtem Saatgut

Die zuständigen Länderbehörden haben in neun Fällen gentechnische Verunreinigungen in Mais-Saatgut gefunden. Dies teilte die Umweltorganisation Greenpeace mit. Sie hatte die Analyseergebnisse abgefragt.

Demnach haben die zuständigen Behörden 438 Mais-Proben untersucht. Neun davon waren verunreinigt. Fünf davon enthielten Maiskörner der in Deutschland für den Anbau zugelassenen Sorte MON 810 von Monsanto. In vier Fällen handelte es sich um illegalen Gen-Mais der Sorten Bt11 und Herculex der Agrarkonzerne Syngenta und Pioneer. Landwirte in Bayern, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern hatten illegalen Gen-Mais Bt11 ausgesät und mussten die Pflanzen wieder vernichten. In den anderen Fällen konnten die Länderbehörden das betroffene Saatgut zurückholen, bevor es ausgesät wurde.

„Selbst geringe Verunreinigungen mit Gen-Mais führen zu einer schleichenden und unkontrollierten Ausbreitung auf Feldern und in Futter- und in Lebensmitteln", kommentierte Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin bei Greenpeace, die Funde. In der EU gilt ein so genanntes Reinheitsgebot für Saatgut. Danach dürfen herkömmliche Sorten nicht mit Gen-Pflanzen vermischt werden. In Brüssel drängen jedoch einige Politiker und Industrievertreter auf die Aufhebung des Reinheitsgebotes und für die Einführung von Grenzwerten. Die Verunreinigungen bei den von Greenpeace veröffentlichten Ländertests lagen bei maximal 0,16 Prozent. Sie wären bei den bisher diskutierten Grenzwerten künftig zulässig. „Das Reinheitsgebot darf nicht gekippt werden“, forderte deshalb Ulrike Brendel.

Die weitreichenden Folgen von verunreinigtem Saatgut zeigte der Gen-Reisskandal im Jahr 2006 auf. Zwei US-Reissorten waren mit illegalem Gen-Reis vermischt worden und verunreinigten die gesamte Langkornreisernte in den USA. Die Produkte wurden auch in zahlreichen europäischen Supermärkten gefunden. Um die Verunreinigung in den Griff zu bekommen, dürfen die beiden betroffenen Reissorten bis heute in den USA nicht mehr angebaut werden.

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