Nachrichten | 29.9.2008

Gentechnikfrei

Die erste Großmolkerei macht mit

Das niederländische Unternehmen Campina, Europas größte Molkerei, hat die Milch ihrer Premium-Marke Landliebe auf Tierfütterung ohne Gen-Pflanzen umgestellt. Campina lobt die Milch ab Oktober mit dem neuen Siegel "ohne Gentechnik" aus, Joghurts und Desserts sollen folgen, teilte das Unternehmen mit. Um sicher zu gehen, dass keine genmanipulierten Pflanzen im Futtertrog landen, streichen die rund 7000 Landliebe-Bauern Soja ganz von der Speisekarte ihrer Milchkühe und füttern sie nur noch mit europäischen Futterpflanzen.

„Wir freuen uns, dass Campina nun zum Vorreiter für gentechnikfreie Milch wird“, kommentierte Alexander Hissting, Landwirtschafts-Experte von Greenpeace, die Entscheidung. Die Umweltschutzorganisation hatte Landliebe als Ziel ihrer Gentechnik-Kampagne auserkoren und mit Parolen wie „Landliebe ist ... wenn Gentechnik drin ist“ Stimmung gemacht. „Die meisten Verbraucher wollen keine ‚Gen-Milch’. In den deutschen Molkereizentralen sollten jetzt die Alarmglocken läuten“, sagte Hissting. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer begrüßte Campinas Ankündigung ebenfalls: „Es ist ein wichtiger Schritt, dass nun auch die großen Anbieter den kleinen nachziehen und von dieser Kennzeichnungsmöglichkeit Gebrauch machen.“

GVO-freie Futtermittel stünden genügend zur Verfügung, erklärten Vertreter aus dem Futtermittelbereich aus einer Expertenanhörung der SPD-Bundestagsfraktion. Dort wurde auch deutlich, dass die Unternehmen Anlaufzeit für den Umstieg auf gentechnikfreie Futterpflanzen brauchen. Die diesjährige Ernte war bereits geordert, als die Kennzeichnungsregelung in Kraft trat.

Dass "ohne Gentechnik" machbar ist, zeigten die Berichte von Erzeugern und Anbietern, die bereits in die Kennzeichnung eingestiegen sind. So hat sich in der so genannten „Spätzle-Connection“ eine gesamte Produktionskette - vom Futtermittel über die Eiererzeugung bis zum Endprodukt - zusammengetan, damit Deutschlands zweitgrößter Teigwaren-Hersteller Alb-Gold sämtliche Produkte "ohne Gentechnik" anbieten kann. Die hessische Supermarktkette Tegut ergänzt ihre gentechnikfreien Milchprodukte ab 1. Oktober mit Schweinefleisch „ohne Gentechnik“.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz drängt derzeit mit einer Kampagne den Handelskonzern Edeka, endlich gentechnikfreie Eigenmarken einzuführen.

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